01.12.2009 /// Umsteigen in Amsterdam – Heimat

Dezember 1, 2009

Hallo liebe Leser dieses Blogs. Ihr seid hier falsch!!!!Das hier ist doch schon der letzte Tag der Tour. Wollt Ihr nicht die ganze Geschichte erfahren? Scrollt bei Eurem Browser gaaaaanz nach unten und fangt beim ersten Tag an zu lesen. Wir hoffen Ihr habt Spaß un unserem Tourbericht. Wir freuen uns über Kommentare, egal ob hier oder bei Myspace. Und jetzt macht schon, fangt an zu lesen. Genau, unten!

Gelandet in Amsterdam, wollten sich zumindest zwei , das „Team City“  die Stadt etwas genauer angucken. Kurzerhand einen Zug ausfindig gemacht und rein in die grüne Stadt. Der Käsehopper zurück ging ja erst in 5 Stunden. ich habe mindestens eine auf dem Klo in Amsterdam verbracht. Die Sauberkeit. Ich wollte da sogar essen. Toll! Es wurden noch Bilder auf der Sonnenterasse gemacht

der Käsehopper hobgegen 18.00 Uhr in Amsterdam ab und um 19.00 Uhr gabs Wiedersehensküsse von Damians parentes. die haben sich großartigerweise bereiterklärt die von sozialenKontakten strotzenden lft boys abzuholen.Ich entschied mich für pennen, da das auto über den Teer zu fliegen schien. die Schlaglöcher werden in Deutschland wohl ausgebessert. im Proberaum die Amps geküsst und ihnen geschworen nie wieder fremd zu gehen! Entschuldigung angenommen und ins Bett. Ich weiß nicht wo ich bin…
(david)

30.11.2009 /// der traurige Tag – Abreise

November 30, 2009

Da war er also gekommen der Tag an dem wir wieder über den großenTeich müssen. Nach durchzechter Nacht und mit den letzten zweieinhalb Wochen im Rücken wollte erstmal ausgeschlafen werden, bevor David die halbe Meute weckte um unseren letzten Tag beim Frühstück bei Onaga zu verbringen. Aus dem Plan wurde leider nichts, zum Glück wie sich herausstellte, da Stephanie und Karim, Freunde von Rafael und Bato uns 1-2 Straßen weiterführten, man glaubt es nicht, an einem SUPERMARKT vorbei zu einem tollen kleinen Restaurant mit allen Speisen die man sich so vorstellen kann. Bezahlt wird nach Gewicht, egal was man nimmt. Da laufen wir 2 Wochen zu diesem Halsabschneider Onaga, essen immer die selben 10 Zutaten in 80 Kombinationen und der Garten Eden wächst 200 Meter weiter oben. Aber jaja wir dürfen uns ja nicht alleine bewegen. Arschlecken Brasis, das war ne krumme Nummer ;) . Wir packten danach den Stuff und warteten auf unsere Brasis. Als diese erschienen haben wir sie erst mal beschenkt um uns ein wenig für das zu bedanken was wir in den letzten Wochen mit ihnen erleben durften.

an dieser Stelle noch mal international:

Thank you for everything we could take from Brazil. It was one of the best times in our lifes. We loved touring in Brazil and meeting so much friendly, helpfull and nice people.
We will definetly come back to brazil in the beginning of 2011. We can`t wait till our brazilian friends come to Europe next year. We miss you all!

Special Thanks goes out to our friends:

Rafael (Tourmanager , Swinger & No Lie Guitar Player)

Bato (Housekeeper, Badass Driver, Drummer INDEX)

& Saulo (Allround Homeworker, Everything Repairer, Superhero of Tool Time)

Bobby (best Bartender in the world, Killer Roadie, High Time Lover)

Rafael`s Mom (our brazilian Mom, Great Cooker, Clothes Washer,True Believer, thanks for taking us like your own sons )

Rafael`s Dad (Partylion, Chief of all, Superdad, Chilli Lover)

Daniel (A.OK Vocal, Sunnyboy, Charming guy, Gentlemen)

Mel (Photographer, Translator, Chaos Reducer)

Stephanie (Camera, Sao Caetano Guide, Partygirl, Beer Drinker, LFT Fanclub)

Karim (Camera, Sao Caetano Guide, Partygirl, Rock n Roll Lover)

Maps (No Lie Bass Player, Tatoo Junkie,  What Time is it?)

Marcello (No Lie Drummer, Caretaker, Technic enthusiast)

Raphael (No Lie Singer, Sunnyboy)

Diego (formally known as maybe (Ex-) guitarrist No Lie, Manituh, King of Jokes, spontan leaver )

also Thanks to: Bato`s Dad (Car Lover, Superdad), Bato`s Mom (Supermom, Good Cooker),  Fillipe (brazilian Merchguy & Helper, Biggest Fan in Brazil) &Sonja (deutschen mädschen), Fernanda, Uira, Valeria, Onaga (you keeped us alive), Habibs (Cheap Food 24h), Brahma, Skol, Bohemia, Antarctica, Pinga, Love Hate Hero, Mr Clown, End Of Pipe, all the Tv and Interview guys, all our new brazilian fans (we love you), China`s House Gang, Schummi, Nitro Snake, Dragon Tattoo, everybody who gave us a place to sleep, food, or nice words, everybody we forgot…sorry…you know who you are!!!!

zurück zum Geschehen:

Natürlich hatten wir angegeben, dass der Flug 2 Stunden früher als gebucht ging, damit wir knapp vor dem Flug am Flughafen
ankamen.  Zum Glück durchgezogen, denn nach 15 Minuten Fahrt einen Riesenstau mit „nichts geht mehr“ auf dem Highway. Gute 2 Stunden
später hatten wir die 6km geschafft und waren am Flughafen. Den vorgezogenen Flug hätten wir also verpasst.Gute planung Jungs! Es
wurde flöck eingecheckt und Björn gab seine letzten ersparten Reals für duty free pitu aus.

Angekommen im Flieger war der garnicht so voll. Der run auf die Schlafbänke begann. Wir quetschten uns lieber zusammen, wollten wir
doch Fernsehen und europäisches Bier! Das kam dann auch zu Genüge, zumindest die ersten 3 Stunden. Danach wurden wir höflich gebeten „becareful boys“ – Björn antwortete solide mit „We’re a punkrock bandreturning from a 3 weeks brazil tour – we’re used to it“. Die Sache wäre
geklärt.

29.11.2009 /// Skatepark Teil II + Osasco

November 29, 2009
Sonntag – der letzte Tag der Tour. Und es soll der Stressigste und auch Schönste zugleich werden. Aber davon weiß ich noch nichts, als ich morgens (ca. 14h) aufstehe, unter die Dusche springe und mein – mittlerweile – tägliches Sonnenbad genieße. Auf einmal steht Bato auf der Matte und faselt etwas von „direkt losfahren“, heute hatte er uns also wirklich beim schlafen ertappt. Aber hey, hätte er uns nicht früher wecken können ? :-) .
Ich gehe die Anderen wecken und bemerke, dass Soup garnicht da ist. Bato berichtet mir, dass Soup schon früh aufgestanden ist und mit Rafael angeblich schon im Skatepark sein soll. Der Clou: Papa Soup hat sein Handy vergessen, wir können ihn also nicht mal anrufen und erfragen, ob das Festival wegen unserer Unpünktlichkeit zu scheitern droht. Ach stimmt, so wichtig sind wir ja gar nicht. Kann man in Brasilien aber schon mal vergessen. Schlussendlich sind wir dann mal wieder ein paar Stunden zu spät. Macht aber nichts, wir machen uns also alle fertig und sitzen wenig später im Bat(o)mobil. Wie immer springt die Alkoholschleuder (ja in Brasilien tankt man noch Alkohol) erst beim dritten Mal an.
Am Skatepark angekommen geht es direkt so los, wie es am Samstag aufgehört hat. Wir machen uns im Backstage breit und werden aber schon bald von den Leuten – die offenbar auch gestern schon da waren – erkannt und angesprochen. David und ich wollen nurmal kurz auf Toilette und etwas kaufen und schaffen es erst etwa eine Stunde später wieder hinter die Bühne, weil wir die ganze Zeit mit Leuten reden und/oder Fotos machen. Im Backstage treffen wir wieder viele Bands, mit denen wir schon gespielt haben, oder die wir auf unseren Konzerten schon kennengelernt haben. Jeder kennt Jeden und es gibt viel zu lachen. Mir persönlich bereit an dem Tag noch Bauchschmerzen, weil wir zwei shows am selben Tag haben werden. In Deutschland haben wir soetwas ja öfters schon gemacht, deswegen weiß ich, dass es manchmal viel Organisation erfordert, um alles unter einen Hut zu kriegen. Das traue ich Rafael nicht so ganz zu, und seine Sätze zu dem Thema fingen die letzten Tage immer mit „I think…“ oder „I don´t know, but…“ an. Er ist da ganz relaxed und verschiebt unsere Spielzeit immer wieder nach hinten, obwohl ich das Gefühl nicht los werde, dass wir gar nicht soviel Spielraum haben um nach Osasco zu kommen, was nach meinem Gefühl etwa 2 Std. entfernt liegen dürfte. NO LIE und INDEX (Bato´s Band) legen eine ordentliche show hin. bato hinterm Schlagzeug zu sehen lässt unsere Herzen auf jeden Fall ganz schön hüpfen. Wir haben in den zwei Wochen einiges mit ihm durchgemacht und ich glaube jeder von uns würde ihn am liebsten sofort adoptieren.
Nach den shows spielen noch zwei Bands, bevor wir dann an der Reihe sind. Diesmal warten auch wieder einige Leute vor der Bühne und jubeln schon, als wir noch unsere Instrumente einstöpseln. Der Bassamp ist immernoch kaputt, also gehe ich direkt in die DI-Box und habe nur meine Monitorbox. Etwas komich, aber konnt ich mich dran gewöhnen…noch weniger zum einstellen. Der Gig wird richtig, richtig gut, denn die Leute gehen ab, machen mit und zeigen uns, dass sie offensichtlich Bock auf die Musik haben. Zwischenzeitlich tauchen im „Moshpit“ Boxhandschuhe auf. Ich bin zunächst irritiert, weil ich die Situation nicht richtig einschätzen kann, denn es sieht so aus, als ob dort ein kleiner Kampf während unseres Konzertes statt findet, denn die Brasilianer sehen dabei ziemlich ernst aus. Nach dem Song ergreife ich die Gelegenheit um nachzufragen, was es damit auf sich hat, aber die Leute versuchen wir klarzumachen, dass es nur Spaß ist, und die beiden „Kämpfer“ umarmen sich vor meinen Augen, um dann auf den nächsten Song und die nächste „Runde“ zu warten. Etwas seltsam, aber akzeptiert!
Nachdem die verrückte Menge mal wieder eine Menschenpyramide zum Ende unseres Sets aufbauen, spielen wir noch „Elaine“ mit Seppo an der Gitarre und David tobt sich in und mit der Menge nochmal richtig aus.
Danach heißt es dann wieder runter von der Bühne, Sachen verstauen und direkt ab zum Merch-Stand, wo wieder superviele Leute darauf warten Fotos mit uns zu machen, Autogramme zu bekommen oder einfach nur mal gedrückt werden möchten. Rafael macht derzeit im Hintergrund Stress und bittet uns so schnell wie möglich einzupacken, damit wir loskönnen. Ich bin derweil mit den Leuten beschäftigt und bekomme nur aus den Augenwinkeln mit, dass es offensichtlich Stress gibt, denn Soup redet ziemlich deutlich mit Rafael.
Die Situation ist folgende: Der Veranstalter von Osasco ruft dauernd bei Rafael an, wo wir denn bleiben, aber Bato ist nicht auffindbar und Rafael hat nur ein Auto, um uns (5 Personen) + Equipment dorthinzufahren. Wir haben ja alle von nix einen Plan und können nur abwarten. Rafael telefoniert, um noch ein Auto klar zu machen, aber alle Versuche scheinen zu scheitern. Wir packen so schnell es geht unsere Sachen ein und sind abfahrbereit, aber nichts passiert. Rafael ist sauer auf Bato, der wohl gerade noch einen anderen Gig spielt, und Soup ist sauer auf Rafael, der die Organisation nicht so ganz im Griff hat. Das Ende vom Lied ist leider, dass Soup im Skatepark bleiben muss, wir uns alle ins Auto quetschen und losfahren. Soup beruhigte sich aber schnell wieder wie ich hörte und ist erst mal zur Tankstelle. Leider gibt es von Osasco nur Videomaterial, welches Euch zu gegebener Zeit auch in irgendeiner Form mal präsentiert wird. …haben ne ganze Menge Videomaterial ;-) Mehr dazu bald. Da es keine Fotos gibt, kommt hier noch mal das Bild von der Eule. Iss sie nich süüüüsss ?
Die Fahrt nach Osasco geht relativ flott (ich tippe so etwas mehr als eine Stunde), aber auch hier bleibt das übliche „nach dem Weg fragen“ nicht aus, und so fahren wir einmal im Kreis, um uns bis zum Club durchzufragen. Im Club selber ist schon gut was los. Wir sind noch nicht wirklich angekommen, da müssen wir schon auf die Bühne. Der letzte gig der Tour ist wieder mit LoveHateHero, die im Backstage mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Groupies haben. Der Veranstalter drängt uns direkt auf die Bühne und wir versuchen irgendwie Herr der Lage zu werden.Das heisst Damian muss sich Ständer und Hocker leihen. Er sagt: Ich brauch einen Hocker!  Und die Brasis vor Ort stellen ihm einen weissen Gartenstuhl auf die Bühne! Guckst Du! Den musste er aber dann doch nicht benutzen und nach einer halben Stunde hatte er dann genug Material für ein komplettes Drumset zusammen. . (Anmerkung Damian: Vielen Dank nochmal an den jungen Brasilianer, der mir die Show über als Drumtech geholfen hat! Ich weiss leider seinen Namen nicht mehr. Ich hätte wohl keinen einzigen Song am Stück spielen können wenn er mir nicht sämtliche Ständer und trommeln während des Spiels festgehalten hätte! Muito obrigado!) Der Gitarrenamp macht ganz merkwürdige Geräusche und David fragt flehend, ob nicht noch ein anderes Model zur Verfügung steht, was dann glücklicherweise auch der Fall ist. Sound fett, David glücklich.

Ich gebe mich – wie immer – mit dem zufrieden was da steht, wobei ich auch einfach einstöpsel…Bass anschlage…Ton kommt…gut ist. In den ersten Reihen warten diesmal auch schon einige Leute. Der Unterschied zu sonst ist nur, dass dieses Publikum unsere Namen kennt und diese auch ruft. Das verwirrt mich dann schon, aber vor der Show ist die Stimmung schon super. Ich versuche mit David zusammen die Stimmung oben zu halten, da Damian immernoch mit dem Schlagzeugequipment zu kämpfen hat. Als wir dann endlich anfangen können ist mir ab dem ersten Song klar, dass das einer der besten gigs der Tour wird. Vielleicht auch deshalb, weil es vorerst der letzte ist und wir wirklich Alles geben. Auch Seppo, der uns am Schluss wieder bei „Elaine“ zur Seite steht, gibt richtig Gas und scheißt endlich mal auf ein „perfektes Spiel“, was er sonst immer anstrebt. Nach unserem Konzert versuchen wir durch die Mädelmenge von LoveHateHero in den Backstageraum zu kommen und trinken erstmal gemeinsam ein Bierchen. Das war glaube ich der erste gig, wo wir auf der Bühne eiskaltes Bier bekommen haben; und wer mich kennt, weiß, dass ich diese nach dem Auftritt natürlich direkt eingesagt und gebunkert hab. Mit frischen Shirts geht es dann zum Merch-Stand, wo wir wieder viele nette Leute treffen und uns gut amüsieren. Aber irgendwann müssen wir dann wieder los, denn Rafael will nach Hause. Mitten im Set von LoveHateHero, brechen wir dann auf und fahren zurück in Bato´s Studio. Dort treffen wir auf einen „stocknüchternen“ Soup, der sich die Zeit ohne uns offensichtlich ganz nett gemacht hat. Zumindest sind einige Leute da und Soup sitzt mit feuchten Augen in einem von Batos Gartenstühlen. Ich höre ihn noch „ich glaube auch dieser Stuhl machts nicht mehr lang!“ sagen und schon fliegen die Hinterbeine zur Seite weg und Soup sitzt lachend auf dem Terassenboden. Wir haben in den Wochen ca. fünf Stühle kaputt gemacht, wobei meine Theorie ja die ist, dass die Stühle dauernd in der Sonne stehen und dadurch auch leichter verformbar sind. Auf jeden Fall haben wir auf diesen Teilen vergeblich nach der TÜV-Plakette gesucht.

Dieser Abend geht auf jeden Fall für mich sehr früh zu Ende, weil ich nach dem Tag einfach platt war.
(Samuel)
Die Anderen machten noch viele Faxen, erotische Fotoshootings und eine nette Abschiedsparty die erst in den frühen Morgenstunden endete.

28.11.2009 /// Skatepark Teil I

November 28, 2009

Richtig ausschlafen können wir trotz der Strapazen des Vortages trotzdem nicht. Das heißt, müde sind wir schon, nur haben wir keine Zeit zum schlafen. Laut Rafael soll es zeitig zum Skatepark gehen um einen längeren Soundcheck machen zu können. Wir sind also gegen 12 Uhr mehr oder minder abfahrbereit, doch – wer hätte es anders gedacht – Bato ist nicht am Start. Rafael war bereits im Skatepark. Wir pimmeln also so in den Tag hinein und sind uns einig, dass Bato auch besser ausschlafen sollte. Das erhöht schließlich die Chancen, den richtigen Weg hin un/oder zurück zu finden. Hoffen wir zumindest. Rafael hatte wärenddessen im Skatepark einen Amischlitten organisiert hatte der plötzlich hupend vorm Studio erschien. Soup, David und Damian stiegen ein, denn ausser dem Fahrer waren noch 2 Begleiter geschickt worden, wie nett, ohne sie hätten wir alle reingepasst, plus Backline. So verteilten wir die Backline auf die RIESEN Karre und Batos Auto…der war mittlerweile auch aufgewacht. Lustig war auch, dass wir nachher von Soup erfahren haben, dass Bato Rafael immer schon erzählt hat, immer wenn er ankommt schlafen die Deutschen, deswegen sind wir immer so spät. Natürlich wussten alle dass dies nicht so war…inklusive den Brasilianern.

Der Skatepark liegt tropisch gelassen vor uns als wir ankommen. Nur wenige Menschen sind da, es wird in aller Ruhe aufgebaut und schon mal auf der Gitarre geklimpert. Rafael scheint das Festival einfach ein paar Stunden nach hinten geschoben zu haben. Wir fragen Soup was denn hier los ist.  „Hier geht gar nichts, ha ha!“ schallt es uns entgegen, während er mit dem Kopf auf der Merchtasche im Backstagebereich auf der Bühne liegt.

Die erste Band spielt dann irgendwann, Punkrock, der ziemlich melodisch ist. Es ist bestimmt schon nach vier Uhr. Den Namen habe ich – ganz der Asi-Punkrock-Touri – natürlich vergessen. Wir bezweifeln, dass die prognostizierten 4000 Besucher zum Skatepark kommen. Hin und wieder schlendern ein paar Besuchergruppen ein, aber der große Ansturm bleibt aus. Wir hängen im Backstagebereich rum, quatschen mit den Bands und denen, die beim Aufbau helfen und lassen uns vom Sicherheitsdienst das Bier auskippen. Bier ist nämlich auf dem ganzen Gelände verboten. Na dann prost! Unsere brasiliansichen Freunde kümmert das bis auf Rafael nur wenig. Spannend, wie sie versuchen, das Bier vor den Sicherheitsleuten zu verstecken. Nach der zweiten Runde Bierauskippen geben aber selbst die besonders hartnäckigen anwesenden brasilianischen Damen den Versuch auf, zu einem verdienten Schluck Alkohol zu kommen. Nur Samuel und Soup schaffen es in guter deutscher Manier eines 14jährigen Schülers mehrere Dosen Bier entweder hinter dem fremden Tourbus uder mit einem verschwitzten Handtuch umhüllt zu geniessen, das Lustige war nämlich dass am Eingang niemand die Rucksäcke kontrollierte…naja Brazi Style.

Das Festival ist mittlerweile in vollem Gange. Wir kriegen eine ziemlich homogene Mischung geboten: Neben No Lie und vielleicht einer, bestenfalls zwei Ausnahmen spielen die anwesenden Bands stark poppigen Punkrock/Rock. Subway, die uns schon aus Florianapolis bekannte Truppe, die in Jundiai nicht mehr auftreten konnte, kommt heute zu ihrem Recht. Sie sind an diesem Tag eine der besten Bands, das kann man nicht anders sagen. Gutes Songwriting, positives Auftreten und gekonnter Umgang mit dem Publikum. Genau so macht man das. Auf Ähnliches zielt offenbar auch der Manager einer Poppunktruppe und vergleicht seine Jungs anscheinend mit Subway. Er entschließt sich kurzerhand, dass seine Band einen Regisseur bracht. Jetzt. Und auf genau dieser Bühne. Uns bietet sich ein mehr als groteskes Schauspiel: Der Wahnsinnige springt im Bühnengraben umher, fuchtelt wie bescheuert mit den Armen in der Luft und brüllt seinen Schützlingen Anweisungen entgegen. Wink dem Publikum – es wird dem Publikum gewunken. Dreh deine Kappe nach hinten – er dreht die Kappe nach hinten. Hüpf du kleines Hündchen – das kleine Hündchen hüpft. Schnell, komm nach vorne zur Bühne! Okay, okay… NEIN! Nicht so nah! Du fällst sonst von der Bühne! Hmm, ich geh wohl besser zurück… SO IST`S BRAV! Los, jetzt zeigt Euer Gebiss – sie zeigen… Ihr könnt es Euch denken. Stephanie, eine gute Freundin von Rafael und mittlerweile auch von uns, versucht die Situation zu entschärfen. Sie geht hin und bittet ihn, mit dem Blödsinn aufzuhören. Warum ist das überhaupt nötig? „Oh, meine Jungs haben heute ihren ersten Gig, ich muss aufpassen, dass sie nicht von der Bühne fallen!“ Ähm. Ja. Wir fassen zusammen: Ein offenbar völlig Verrückter hat grade einer handvoll Jungs ihre erste Show ruiniert und ihre 16jährigen pop-punker-oder-was-auch-immer-Seelen zerfetzt. Ich kriege mich so ungefähr 50 Minuten überhaupt nicht mehr ein. Danach wandelt sich der Schock zu purem Amüsement. Gleichzeitig mein Tiefpunkt und mein Highlight des Tages. Skurril, einfach nur skurril. Zumindest für uns. Erfreulicherweise gab es heute auch wieder ein Fernsehinterview für die örtliche TV Station.

Die Spielstunde für LFT rückt näher und es wird hektisch. Soup und ich klatschen den Banner an die Mauer, der hängt natürlich schief, aber egal. Soup und Rafael werfen Cds in die Menge. Auch T-Shirts, die gleich völlig zerfetzt sind weil sie im Handgemenge enden. Und na klar, den ganzen Tag war es trocken, jetzt melden sich die ersten Regenschauer an. War ja klar, aber drauf geschissen, we say in Germany. Endlich werden die Gitarren eingestöpselt, und „Blickes Fang“ eröffnet das Set. Die Szenerie hat sich völlig gewandelt: Überall sind plötzlich Menschen, die Poppunker haben offenbar einiges an Leuten gezogen. Oder die Brasilianer sind endlich mit ihren Jobs fertig (hier arbeitet man auch Samstags, oder?!?) und bereit für Live-Musik. Doch es kam uns tatsächlich so vor, dass die Leute wegen uns hier waren. Der Willkommensgruß der Menge ist beeindruckend. Es wird gebrüllt, geklatscht, gemosht. Damian springt von der Bühne in die Menge. In Germany we say ‘stagediven‘. In Brazil they say ‘mosh‘ Es gibt eine Pyramide aus Menschen, die vor der Bühne gebaut wird. Punkrock-Artisten, sind sie, die Anwesenden. Mit einigen ging allerdings auch das Temperament durch. So kam es im Moshpit zu einer Schlägerei, die ganz schnell in ein großes Gewusel ausartete. Zudem war das ganze Skatepark Gelände polizeiüberwacht, so dass innerhalb kürzester Zeit 4-5 Polisten im Moshpit waren und mit Schlagstöcken auf die Leute einprügelten. Soup stand zu diesem Zeitpunkt auf einer Terasse mit Cam…das heißt diese Szene gibt es auch auf VIDEO!!! Es war echt krass. Die Band überlegte kurz das Set zu unterbrechen, aber bevor das passieren konnte hatte sich die Schlägerei samt Polizisten schon Richtung Eingang verlagert und die Show konnte weiter gehen…wenn auch vor ein paar weniger Leuten.LFT und das Publikum feiern sich durch das Set, und der Zuspruch auf beiden Seiten bleibt bis zum Schluss bestehen. Dankbar nehmen die Kids David, der bei „Elaine“ wie üblich geworden nur das Mikrophon bearbeitet, in Empfang. Völlig geschwitzt stolpern alle nach einer extrem geilen Show von der Bühne, glücklich etwas bekommen zu haben, was einem offenbar nur Brasilien bieten kann.

Im Anschluss geht es mit dem Reigen aus Poppunk & Co weiter, ich meine mich zu erinnern, dass noch zwei Bands nach LFT spielen.

Wir genießen hier so herzlich und von so vielen Menschen aufgenommen worden zu sein, nicht nur an diesem Tag, sondern auf der ganzen Tour. Ich bilde mir ein, dass die ersten von uns schon ein bisschen wehmütig werden bei dem Gedanken, bald nach Hause in die Kälte zu müssen, auch wenn dort unsere Lieben auf uns warten. Die Lieben jetzt nach Sao Paulo holen, das wäre es! Wir kriegen uns dann aber doch schnell wieder ein, schließlich verlangt die Menge nach Samuel, Damian und David. Die drei Herren Rockstars kommen gar nicht mehr raus aus dem Autogramme geben und Fotos-mit-sich-machen-lassen. Nach viel Spaß im Backstage-Bereich, entspannten Gesprächen und Festival-Party-Feeling geht`s am späten Abend dann zurück in Bato`s Haus, und wenn ich mich nicht täusche fahren wir wieder mal Habib`s an um was zum beißen zu haben. Bei Bato chillen wir noch, quatschen und feiern so in die Nacht hinein, bis ich endgültig vom Stuhl kippe und seelig ins Traumland hinüber gleite. Geil war`s, dieser Tag.

27.11.2009 /// Tag 16 Müssen wir links oder rechts?!?

November 27, 2009

Heute soll es wieder ein paar Kilometer aus Sao Paulo raus gehen. Das Problem ist jedoch, dass eigentlich ein Van zur Verfügung stehen sollte und wir jetzt mit drei Autos fahren müssen. Warum der Van nicht am Start ist, kann irgendwie niemand so recht nachvollziehen, ist aber auch egal jetzt, er ist eben nicht da. Also werden die Karren völlig überladen und wir quetschen uns mit sechs Mitfahrern in einen Kombi plus Backlineelementen. Geil. Und so schön warm. Soup bezieht vorne neben Bato seinen Tron und rechtfertigt das gekonnt mit seinem Körpervolumen.. King Curry nennt David das. Am Ende diesen Tages und am Anfang des nächsten spielt aber selbst der Komfort der ersten Sitzplatzreihe keine Rolle mehr. Aber dazu gleich mehr…

Wir gurken ungefähr 2 Stunden durch die Rush-Hour von Sao Paulo und seinem Umland, bis wir endlich am Club ankommen. Wir sind geschlagene zwei Stunden zu spät, und wieder einmal sind wir die, die eigentlich zur Abfahrt bereit waren. Der Club heißt ironischerweise „Hall Bar“, ist aber so groß wie ein Wg-Zimmer in Köln-Kalk.

Rein rechnerisch bleibt noch eine Stunde für drei Bands, da neben No Lie und uns noch SUBWAY aus Florianapolis mit dabei sind. Es wird disponiert, und nur No Lie und LFT werden heute spielen, SUBWAY werden auf morgen, auf das Skateparkfestival vertröstet. Beim Aufbau wird sich natürlich trotzdem Zeit gelassen, die tropiscche Gelassenheit hat uns alle fest im Griff. No Lie spielen ein ordentliches Set, zwar nicht allzu lang, aber mit Power. Die Leute gehen hier eher weniger mit als in den anderen Orten, zumindest bei No Lie an diesem Abend.

Nach einem weiteren Umbau stehen Lft auf der Bühne und haben noch ganze 15 Minuten, um ihr Set zu spielen. Die Leute sind neugierig und folgen allen Klatschaufforderungen von Samuel. Und auch seinen Bühnensprüchen. David tut mehrfach kund, wie sehr im die kleine aber feine Location gefällt. Es schlägt 22 Uhr, und eigentlich sollte das Konzert jetzt vorbei sein. Nicht aber in Brasilien. Der Veranstalter schließt das Gatter vor dem Club und die Show wird kurzerhand zur Privatparty umdeklariert. LFT können also ihr ganzes Set spielen und die Leute nehmen es dankbar an. Als ich dann „Elaine“ spielen darf, finde ich mich sogar in einem richtigen Moshpit wieder, was meine durch die Fahrt angeschlagene Stimmung wieder deutlich hebt.

Höllenritt Nr. 2 oder wie wir fast ganz Sao Paulo mit dem Auto erkundeten

Wir packen ein und quetschen uns wieder mit 6 Leuten in Bato`s Karre. Milton fährt mit Rafael vor, Samuel sitzt mit SUBWAY in einem Auto. Es dauert ungefähr 30 Minuten, da hat Bato den Rest der Kolonne verloren, bzw. der Rest der Kolonne uns, denn sie wissen, dass Bato nicht der best orientierteste Fahrer in Sao Paulo und Umland ist. Wir fahren und fahren, und auch ohne dass irgendwer was sagt wissen wir, dass wir uns heillos verfahren haben. Soup zieht ein Gesicht wie wir es schon lange nichgt mehr gesehen haben, King Curry ist völlig abgefuckt und spielt mit dem Gedanken, Bato den Führerschein zu entziehen. Unser emotionaler Gau findet beim vorbeifahren am internationalen Flughafen statt, wir sind am falschen Ende von Sao Paulo. David und ich spüren unsere Ärsche nicht mehr, mein Bein kämpft mit einem mittelschweren Krampf und Bato`s Haltung am steuer hat was badezimmer- und sanitäranlagenmäßiges. Zum Glück ist Photographin Mel am start, zwischen uns eingequetscht. Sie überneimmt die Initiative und fragt sich an mehreren Tankstellen in die richtigen Gefilde. Unser Weg führt uns u.a. Durch Zentrum von Sao Paulo. Zu dieser Zeit ein Blick in mehr als nur einen menschlichenlichen Abgrund und unglückliche menschliche Schicksale. Wir fahren an Papphütten, Müllsäcken und Zugkarren vorbei, alles Notunterkünfte. Auf der Straße wird gerannt, gestikuliert. Wir sehen viele, denen es offenbar nicht nur in physischer und materieller Hinsicht nicht gut geht. Uns wird bei diesem Anblick sehr anders und wir sind froh, als wir nach 5 Stunden Fahrt endlich auf dem richtigen Weg sind. Wir kommen sicher an Bato`s Studio an und Samuel, die arme Socke, hat sich vorm Studio schon häuslich eingerichtet. Denn wir hatten den Studioschlüssel. Zum Glück waren ein paar befreundete Brasis so nett, mit ihm zu warten, sogar Marcello, der morgens früh wieder an die Arbeit muss. Aber so sind sie, unsere Brasis: Vielleicht nicht immer top organisiert, aber durch und durch solidarisch und herzlich. Glaubt uns, so schnell waren wir schon lange nicht mehr im Bett.

26.11.2009 /// Santo André – Lolapalooza

November 26, 2009

Der Morgen beginnt wieder mit ein paar Kopfschmerzen und einer ausgedehnten Dusche samt Sonnenbad (ich muss Handtücher für die shows sparen). Danach ab zu Onaga unserem Imbiß direkt gegenüber. Brahma trinken und einfach nur den Tag genießen.

Dann auf einmal geht die Hektik los. Wir wollen schon seit Tagen wieder in die Rockgalerie, um endlich unsere Geschenke für die netten Brasis zu besorgen. Leider hat es irgendwie nie geklappt, aber heute nageln wir Bato darauf fest. Wir sitzen also also relativ entspannt im Auto und düsen los, als Rafael anruft und Bato berichtet, dass wir um 16.30h wieder am Studio sein sollen, um pünktlich zur show zu kommen. Es ist etwa 12h. Da wir Bato kennen überfliegen wir kurz unsere Chancen und denken, dass es zwar ein sehr enges Höschen werden wird, aber es nicht unmöglich ist. Da haben wir die Rechnung natürlich ohne Bato bzw. ohne Navi gemacht.

Ich machs mal kurz; Situation um ca. 14h: Pausenlos klingelt Batos Handy, weil Mel (die Fotografin) anruft, um uns bei der Wegsuche behilflich zu sein. Soup dreht am Rad; alle sind genervt. Wir erleben direkt neben uns einen Crash in Sao Paulos übelstem Verkehr und bekommen fast selbst eine Stoßstange ab. Bato drückt Mel immer wieder weg. Wir halten mal hier mal dort um nach dem Weg zu fragen. Irgendwann wird es uns zu bunt; wir brüllen Bato an, er soll doch einfach anhalten, uns rauslassen und wir regeln des Rest. Wir halten an einer Ecke, rufen Mel an, nennen ihr sie Straße wo wir sind, und nach 20min ist Mel zu Stelle und wir können endlich zu Rockgalerie. Dort kommen wir natürlich viel zu spät an. Ich übernehme den Part „T-Shirt für Bato drucken lassen“, und mache mich mit Mel direkt auf den Weg nach oben. Soviel Stress bei der Hitze ist nicht gut, aber ich beiße die Zähne zusammen, lassen den Schweiß heute einfach mal tropfen und kümmer mich um das „Go Bato!“-Shirt. Letzendlich gehts ziemlich fix und ich sammel alle wieder ein, die auch Geschenke für Brasis oder ihre Lieben daheim gekauft haben. Rückweg um etwa 16h! Um 18h sind wir wieder am Studio. Kein Rafael da. Wiedermal alles „umsonst“ mit der Eile. Nach einer Stunde kommt Rafael dann; aber nicht – wie versprochen – mit einem Van, sondern mit mehreren Autos, die wir vollstopfen und uns auf zum Lolapalooza machen.

Dort spielen wir wieder zusammen mit LoveHateHero. Die Location ist ziemlich urig, rockig und sehr cool. Backstage gibts nicht wirklich, aber dafür eine Bühne. Sound – wie fast immer in Brasilien – heute unterirdisch.

Aber egal. Wir haben von nix nen Plan, trinken wir, unterhalten uns mit den anwesenden Leuten (Grüße an Filipe und Sonja aus Deutschland!). Dann spielt eine Band nach der anderen, wobei es immer heißt „Next band is you!“. Ich mache mich also ca. 3-4 mal auftrittsfertig, aber nix passiert. Dann muss wieder alles ganz schnell gehen. Der Auftritt wird richtig, richtig gut, denn die Leute haben Bock mitzumachen und stören sich nicht an den verzerrten Stimmen, die aus den Boxen dröhnen. Nach der Show mach ich dann mal locker, geh direkt zum Merchstand und kümmer mich auf die Brasis, die gerne Fotos, Autograme oder Textilien haben möchten. Soup bringt mir ab und an ein kühles Bierchen, und mir wird wieder klar, wie verrückt es eigentlich ist, dass wir hier gerade in Brasilien touren. Einfach nur Wahnsinn.

Nachdem LoveHateHero fertig sind, packen wir alles zusammen und gönnen uns noch etwas zu Essen/Trinken bei der nächsten Tankstelle. Es wird noch relativ spät, und auch im Studio ist die Party noch lange nicht vorbei. Der oder Die (keine Ahnung) Pinga (oder wie auch immer man das schreibst) muss weg,  also trinken wir noch bis es hell wird. Dann aber ab ins Bettchen! (Samuel)

25.11.2009 /// Tag 14 – wieder Milo und wieder Chaos

November 25, 2009

Vom letzten Abend noch gut vollgestopft wache ich schon wieder in einer ungesunden Stellung im „Bett“ auf. Das bedeutet, dass der gestrige Abend gut gewesen sein muss.

Dem Muskelkater im Bauch zu urteilen gab es auf jeden Fall eine Menge zu lachen.

Wir lassen den Tag heute mal wieder gewohnt ruhig angehen; also ausschlafen, duschen, zu Onaga essen und auf Bato warten. Wir wollen so schnell es geht zu Rafael, denn nur dort können wir wirklich gut ins Internet und z.B. den Tourblog pflegen. Wir haben hier echt nicht viel zu tun, aber der Tourblog verlangt uns irgendwie alles ab. Mit schreiben, hochladen, Fotos aussuchen etc. Deswegen mach ich mal an dieser Stelle einen Aufruf uns weiterhin eurer Feedback zu schreiben. Wir freuen uns über jede Nachricht (per Myspace, Email etc.)!

Zurück zum Geschehen: Wir machen uns auf um Bato zu wecken, damit er uns zu Rafael fährt. Das klappt auch ganz gut, und keine halbe Stunde später steht Bato als Fahrer bereit. Bei Rafael angekommen stürzen sich alle in die virtuelle Welt. Rafaels Telefon klingelt pausenlos, weil er irgenwas wegen den ansteheden Gigs klären muss. Nach einem Telefonat wendet er sich an Damian und sagt, dass der Tätowierer jetzt auf ihn wartet. Ich hab von Tuten und Blasen keine Ahnung, aber anscheinend hat Damian gestern mit Rafael gesprochen, dass er sich gerne ein Tattoo stechen lassen will. Rafael hat daraufhin einen sehr bekannten Tattoo-Menschen angerufen, der sich jetzt extra Zeit nimmt für Damian.

Da bin ich ja direkt mit der Kamera am Start. Also fahren Bato, Damian, Soup und ich direkt ins Zentrum von Sao Paulo. Im Studio angekommen versucht Damian seine Wünsche zu äußern, was nur mäßig gelingt. Er hat aber eine Skizze…und seine Hände und Füße. Bato ist nicht gerade der beste Dolmetscher, aber der Tätowierer legt direkt mit einer Zeichnung los, die von Damian abgesegnet wird. Dann liegt Damian auch schon unter der Nadel und lässt sich sein „Amore e Muscia“ (Liebe und Musik) auf den Oberarm stechen. Es geht wirklich superschnell, und der Tätowierer arbeitet sauber und präzise. Nach 30 Minuten ist der Spaß vorbei und Damian strahlt.

Wir fahren direkt wieder zurück zu Rafael und treffen im Wohnzimmer/Flur auf David und Seppo, die offensichtlich Rafaels Zimmers verwiesen wurden, der sich angeblich oben mit einem Mädchen „unterhält“. Rafaels Vater sitzt wie immer laut Musik hörend vorm TV und erklärt mir mit eindeutigen Bewegungen, worüber Rafael und das Mädchen wohl „sprechen“. Nach 15min dürfen wir dann wieder oben ins Zimmer und erledigen noch schnell unseren Internetkram. In der Zwischenzeit hat Rafaels Mutter eingekauft und gekocht: Reis (wer hätte es gedacht), Zwiebelsauce und Kotellet. Superlecker! Vollgegessen heißt es dann auf einmal Stress im Haus, denn wir sollen direkt zu einer Fotografin um Promofotos zu machen. Okay den Satz hören wir nicht zum ersten Mal, trotzdem beeilen wir uns diesmal wirklich, werden direkt ins Studio gefahren, machen uns fertig und….warten. Es dauert mal wieder bis Bato kommt und wir wieder zu Rafael fahren, ihn einladen und direkt zur Augusta (so heißt hier die Partystraße; sowas wie Zülpicher in Köln oder Pontstr. in Aachen). Wir fahren mehrmals im Kreis, weil anscheinend keiner von den Brasis den Weg kennt. Irgendwo haten wir an, weil wir die Fotografin Mel an einer Bushaltestelle sehen. Alle Türen gehen gleichzeitig auf und wir beeilen uns die nächstegelegene Toilette zu finden. Ich habe glaube ich vorher ca. 5 Bier getrunken und danach sind wir eine Stunde rumgefahren. Meine Blase war kurz vorm Zusammenbruch. Den Anderen ging es anscheinend genauso. Nachdem wir Mel eingeladen haben, und es mittlerweile 23.30h ist (das Fotoshooting war für ca. 21h geplant), gehen wir in aller Seelenruhe in einer Kneipe was trinken. Es stellt sich schnell heraus, dass wir heute kein Shooting mehr machen, sondern nur noch ins Milo gehen.

Das ist derselbe Club wie letzten Mittwoch. Also coole Musik und nette Leute. Vor der Location ist schon eine lange Schlange, in der auch Love Hate Hero schon kräftig tanken. Wir gesellen uns zu den Jungs und es fließt ordentlich Alkohol. Es dauert ziemlich lange bis wir endlich in den Club können, aber dank der Wartezeit kenne ich mittlereile jeden in der Schlange mit Namen. Neben Love Hate Hero

sind auch einige andere Bekannte von Bands da, die wir schon von vorherigen Shows kennen. Genauso ist es auch im Laden. Im Gegensatz zum ersten Mal gibt es hier viele bekannte Gesichter. Ich denke, wenn wir nächsten Mittwoch wieder gehen würden, dann kennen wir wirklich alle. Ist ein bißchen so wie in Aachen montags ins Apollo zu gehen. Ich bin auf jeden Fall sehr gut drauf, trinke und unterhalte mich viel. Letzendlich geht der Abend superschnell rum und gegen 5 Uhr Morgens brechen wir auf, um in Batos Studio ziemlich direkt den Weg ins Bett zu finden.

24.11.2009 /// Tag 13 I`m Skating In The Rain, I`m Skating In The Rain…

November 24, 2009

Wir schlafen richtig gut aus und stehen so gegen 13 Uhr auf. Wie immer wird beim brasilianschen Japaner „Onaga“ der „Americano“ gefrühstückt. Wir warten auf die Brasis, die uns „very early“ den Skatepark, auf dem das Festival stattfinden soll, zeigen wollen. Bato trudelt dann so gegen 17 Uhr ein, ziemlich nass vom Regen, der seit ein paar Stunden runterkommt. In der Rush-Hour fahren wir zum Skatepark, kommen also so gegen 18:30 dort an und treffen Rafael, Damian und Soup, die schon vorgefahren sind und ein wenig erledigen konnten.

„Es regnet. Und zwar richtig. German weather style! Soup, Rafael und ich besuchen einen kleinen Laden namens ‘Age Of Dreams’, dort gibt es Bandshirts, Asseciose u Cds. Das ist wirklich der kleinste Shop, den ich je gesehen habe. Wir haben ein paar Cds mitgebracht, die wir an den Laden zum Verkauf abtreten. Soup macht den Deal klar, während aus den Boxen schon unsere Songs dröhnen. Eine „Idee:Mensch“ mit Widmung schenken wir dem Team. Ich bekomme ein gelbes T-Shirt mit dem ‘Age Of Dreams’ Logo überreicht und soll es bei dem Auftritt im Skatepark am Samstag tragen. Gerne! Wirklich sehr nette Leute. Danach besichtigen wir das Gelände des Parks. Gigantisch! Der größte Park in Brasilien, wenn nicht sogar in Süd Amerika. Can´t wait to play there!“ (Damian)

Der Park ist wirklich riesig, bewacht und wegen des Wetters wie ausgestorben, doch um einen Eindruck zu kriegen reicht es allemal. Da hier außer einer Besichtigung nicht viel drin ist gehen wir zum nahegelegenen Einkaufszentrum und schauen, ob wir ein paar Souveniers finden. Leider weitestgehend Fehlanzeige. Zum gepflegten Fast Food Fressen reicht es aber. Wir tigern zurück und machen uns auf den Heimweg. Auf selbigem halten wir noch beim Supermarkt und nehmen Eis, Bier und ein paar andere Kleinigkeiten mit. In Bato`s Studio feiern wir noch ein bissl mit Bato und Rafael, das ganze artet in großen Blödsinn aus, und Bato mahnt zur Ruhe, da sich die Nachbarn schon ein paar mal beschwert haben. Entsprechend brauche ich nicht mehr wie die Abende zuvor den Wachhund zu machen und zur Ruhe zu mahnen. Endlich kriegen es alle bis auf David hin zu flüstern. Zur Strafe schickt in Bato ins Bett. Der Bub hört aber erst, als Bato wieder mal Habib`s ansteuert und den Quengler mit Fleischgebäck ruhig stellen kann.

23.11.2009 /// Tag 12 Rumpimmeln auf hohem Niveau

November 23, 2009

Wir stehen so gegen 15 Uhr auf und kriegen den Arsch auch sonst nicht mehr wirklich hoch. Nitro und die Shows haben uns ziemlich fertig gemacht. Wir gammeln den ganzen Tag. Zuerst in Bato`s Studio, danach bei Rafael zu Hause. Im Wechsel hören wir Musik, telefonieren mit den Lieben daheim, essen was Rafaels Eltern für uns kochen und genießen den Leerlauf. Irgendwann abends fahren wir in den Supermarkt und Soup startet mit Rafael das große kochen, es gibt ENDLICH mal Nudeln mit roter Soße (kleiner Tourscherz…) und einen Hähnchen-Gemüse Salat, den Soup hervorrangend improvisiert. Danach wird weiter telefoniert, Playstation gezockt und abgehangen bis uns Rafaels Vater vor die Tür setzt. Häuslichkeit hat manchmal was für sich, merken wir.

22.11.2009 /// Tag 11 Wer rastet der rostet – Das Tribehouse Sao Paulo

November 22, 2009

Nach vielleich 4 Stunden Schlaf packen wir noch ziemlich abgewrackt unseren Krempel für die Show heute im Tribehouse in Sao Paulo. Wie immer kommen wir einige Stunden zu spät, es ist ein ewiges hin- und her, da keiner so recht weiß, was wir eigentlich an Backline mitnehmen müssen. Rafael, der an diesem Abend Veranstalter ist, befindet sich schon am Club, als uns seine Eltern bei Bato aufgabeln wollen. Mit völlig überladenen Karren und wie die Sardinen eingequetscht fahren wir durch Sao Paulo. Bato findet mal wieder den Weg nicht, und so sind unsere Beine ziemlich im Eimer, als wir endlich aus den Karren steigen können. Vor Ort geht das Durcheinander weiter, jede and sucht sich einen Ort zum Sachen abladen, es spielen schon Bands. Leider kriegen wir die nur am Rande mit, da wir mit Merchaufbau und anderen Gigvorbereitungen beschäftigt sind. Sehr geil ist, ds Rafaels Mutter Soup den Merchstand entreißt und guten Umsatz macht. Schnell hat sie den anwesenden Mädels T-Shirts und Cds aufgequatscht, obwohl LFT noch nicht eine Note gespielt haben.

Da wir relativ spät dran sind, heißt es für No Lie schnell auf die bühne zu kommen. Leider straft das anwesende Publikum die Brasis mit nur mäßigem Zuspruch. Sehr schade, denn sie spielen ein knappes, aber sehr geiles Set, und der Sound ist für meinen Geschmack der beste dr bisherigen Tour. Nach vielleicht 30 Minuten sind LFT dran und wir bauen im Eiltempo auf. Während des Aufbaus sammelt sich eine Traube Menschen vor der Bühne, um die Exoten, die „Gringos“ zu bestaunen. Das Set wird von Samuel begonnen, der mit halbseidenen Portugisischkenntnissen Stimmung macht. Auch LFT haben nur wenig Spielzeit, und schnell wird der letzte Song angekündigt und ich darf auf die Bühne. Die Leute feiern zu „Elain“ genauso ab wie zu den anderen Songs des LFT-Sets, nur leider tritt David den Strom aus dem Bodentreterstimmgerät und ich bleibe am Schluss von „Elain“ stumm. Egal, Spaß gemacht hat es trotzdem. Nach LFT sind noch DRIVE IN und ENVYDUST dran, die mit gutem Metalcore/Screamo den Abend beschließen.

Die Location ist auf jeden Fall sehr geil, ich kann sie nur jedem Sao Paulo-Besucher wärmstens empfehlen. Die Leute sind extrem nett, und man kann sich ausszuchen, ob man die Show aus dem „Innenraum“ oder von der Tribüne anschauen will. Aka, das Tribehouse hat zwei Etagen und das macht den Club irgendwie interessant, auch weil alles so verwikelt ist.

Auf dem Rückweg steigen wir mal wieder bei Habib`s ab und ziehen uns diese kleinen Teigdinger rein. Satt und glücklich machen wir es uns noch mit ein paar Bier in Bato`s Studio gemütlich und sind dann verhältnismäßig schnell im Bett, da sich die letzten Tage (und Busfahrten) doch deutlich bemerkbar machen.

21.11.2009 /// Tag 10 Rio do Sul – Onkel Toms Hütte

November 21, 2009

Fuer mich beginnt der Tag bereits um 11 Uhr, die Meute will weiterpennen, sowohl die Brasis  als auch die Deutschen. Nur ich mache mich mit Uira auf den Weg zum 10 Minuten entfernten Strand…geschlafen wird erst wieder in Deutschland. Und es hat sich gelohnt, sogar ne Eule habe ich getroffen: (Soup)

Der nächste Tag begann brasilianisch früh um 13 Uhr. Alle waren total im Sack aber man schleppte sich in Nitros Palast. Gebraust wurde am Meer entlang wieder 4 Stunden mit Durschnitt 150 kmh. Zwischenzeitlich wurde auf einem Rastplatz noch über die Kohle für Nitro verhandelt. Aus uns schallte nur „gebt dem alles was er will, der soll uns nur nicht gegen einen Baum setzen“. Nitro düste leicht angesäuert weiter, da eine Einigung scheinbar nicht stattgefunden hatte. Angekommen in Rio de Sul entpuppte sich die Show als ein DIY Festival. Die Bühne aus Brettern zusammengezimmert und eine Plane über der ganzen Bühne. Es regnete und der Schlamm stieg. Ich war zu Hause. Der Backstage war im Wohnzimmer des Veranstalters, die Bühne in seimem Garten und alle Leute waren so herzlich als ob Weihnachten kurz bevorstünde. Grandios. No Lie legten kräftig vor und wir sollten anschließend 2 Stunden Set spielen, da eine Band ausgefallen sei. Wir spielten 1 ½ . Samuels Bassamp pupste nach 3 Songs nur noch und auch die Vocals waren standartmässig verzerrt. Naja die Anlage war eben auch DIY. Die rund 200 Leute gingen trotzdem sagenhaft mit und freuten sich, dass wir den Garten beschallten. Nach der Show wurde noch heftigst gefeiert und wir fuhren danach zu einem Pizzahändler, der wohl der Bruder des Veranstalters war. Es gab alle Pizza für 2 Shirts und eine CD! Und alle Sorten. Seppo favorisierte die Weiße Schokolade Pizza. Samuel die Vollmilch Pizza. Der Rest blieb traditionell. Vollgepappt ging es dann in einem Open Air Billard Club. Wir konnten es nicht, die Brasis konnten es. Wir tranken und spielten. Gegen 03.00 Uhr hupte uns Nitro wieder in seine Hölle. Es ging über Nacht zurück nach Sao Paulo. Im Bus wurden noch Lieder gesungen, LFT versackte aber im Schlaf. Schlaf, das war relativ. Nitro fuhr auch bei Nebel und Regen seine soliden 140 kmh. Ich machte meinen Frieden mit dem Herren und versuchte einfach nicht aus dem Fenster zu schauen. King Curry Soup fuhr auf 3 Sitzen und schlief wie ein Lamm. Der Rest hatte einen zumeist nicht umklappbaren Sitz. Kurzum wir gingen kaputt. Als ich aufwachte, war mein Hals ein Wrack und alles tat weh. Nitro tat offenbar nichts weh, denn wir waren wieder in Sao Paulo und er drängte fleißig kleinere Karren von der Fahrbahn. Die Sonne stand im Zenit. Das Einzige was uns aufbaute war im Bewusstsein eines zweiten Lebens eine erste Show zu spielen. (David)

20.11.2009 /// Tag 9 Floren und Ripen in Floripa

November 20, 2009

Es geht um eine Ecke und wir kommen an. Endlich, in meiner Brust schlägt mein Herz noch und alle Knochen sitzen korrekt. Nitro hat mich nicht umgebracht. Im Motel riecht es schon nach fantastichem Essen. Der großartige Veranstalter und Freund von Rafael, Uira fährt ein Menü auf, das seines Gleichen sucht. Wir essen nicht, wir fressen nachdem uns Nitro keine Pause gegönnt hat. Danach haben wir laut den Brasilianern 2 Stunden Zeit bis es ins Fernsehstudio zu einem Interview geht. Nach schließlich 30 weiteren Minuten musste es dann direkt los gehen. Die Zeitplanung ist gigantisch. Hier gibt es keine Zeit, geschweige denn Planung. Ich dusche also nur meine Zehen und springe ins Auto. Nitro mittlerweile mit einem Schlafdefizit von 20 Stunden hockt sich auf seinen Bocck. Durch den Stadtverkehr geht es auf einen tollen Berg auf dem das lokale Fernsehen angesiedelt ist. Wir sollten laut brasilianschischen Tourplan im Fernsehen ein Akustikset spielen. Was fehlte war eine weitere Akustikgitarre. Kurzum wurde also eine weitere E-Gitarrre angeschlossen. Das aus dem Ei gepellte Moderatorenteam warf sich während der Sendung die Bälle gekonnt zu. Am Ende fand dann das Interview von No Lie und LFT statt. Die üblichen Fragen wurden gestellt und wir zu unseren Eindrücken befragt. Zum Ende der ganzen Nummer spielten wir dann ca. 40 Sek von „Wunschlos Unglücklich“, bevor in unser „Gipfelstürmer“-Video gefaded wurde. Für uns ein wenig komisch, dass wir so kurz spielen mussten. Aber hier ticken die Uhren nun mal anders.

Angekommen im Club bot sich ein tolles Bild. Ein kleiner, feiner Laden in dem heute Abend 6 Bands spielen sollten. Die Luftfeuchtigkeit war gefühlte 100% und die Klimaanlagen röhrten. Da wir in Nitros Ferrari nicht so lange gepennt hatten, entschieden sich Seppo und ich für eine Schlaf auf den umliegenden Couchen.

Halb erfroreren wacheten wir im Kimaanlagenlärm auf. Ein Gedanke: Hunger. Nebenan lag eine großartige von Erotik strotzende Pizzaria. Seppo ließ seinen Charme spielen und orderte eine Familienmagaritha für ihn und seinen geliebten David. Im Kerzenschein ließen wir die Coladeckel knallen und ergossen uns in ein Festmahl. Es war gigantisch.

Wieder im Club angekommen trafen Maschbau Studenten aus Aachen ein. Super den Klenkes mal wieder rausholen zu dürfen. Auch Österreichen fanden ihren Weg. Floripa you are international. Wir lernten wieder ein Stück weit Deutsch und genossen die Gesellschaft.

Rauf auf die Bretter ging es nicht nach Stagetime um 00.30 Uhr sondern kurz später um 03.00 Uhr. Der Laden war trotzdem recht gut gefüllt. Die Show war laut und knallig. Strom auf meinem Mikro und 120 V bei „Crisis“ auf meinen Schneidezahn. Aua. Aber ich hatte ja gut gegessen. Danach ging das nicht mehr. Nach vielen Shake Hands ging es dann wieder ins Motel. Es wurde subito gepennt. Der Tag war einfach diesmal eine Nase zu lang.

(David)

19.11.2009 /// Tag 8 Campinas

November 19, 2009

Von Soa Paulo fahren wir ca. 4 Stunden inkl. Suche nach dem Club nach Campinas. Tomtom oder andere Navigationshilfen sind in Brasilien offenbar wenig beliebt, schließlich kommt man durch das ständige Fragen nach dem Weg mit seinen Mitmenschen in Kontakt. Das passt zur auch sonst sehr geselligen Art der Brasilianer. Ziemlich ungesellig ist jedoch, dass No Lie mit ihrem Gitarristen Diego auf der Fahrt raus aus Sao Paulo Ärger kriegen. Er hat offenbar ein Examen in der Uni zu schreiben, und sträubt sich gegen die anstehenden Shows im Süden des Landes. Im Bus wird heftig diskutiert, und er lässt sich schlussendlich an einer Bushaltestelle irgendwo in Sao Paulo absetzen und No Lie sind mal eben ihren zweiten Gitarristen losgeworden. Im Bus wird weiterhin laustark diskutiert und die Brasis sind verständlicherweise ziemlich geladen, auch weil wir zur spät am Club ankommen. Der Club heißt „Hammer Rock Bar“, es spielt gerade eine Metalcore-Kapelle als wir eintreffen. Samuel tut seinen Unmut bezüglich der vielen Klon-Bands des Genres kund, ich hingegen finde die Truppe ganz okay, sie beherrschen die Standards und die Show ist auch amtlich. An den Namen kann ich mich leider trotzdem nicht erinnern. (Anm. Samuel:“Ja und genau das ist das, was ich meine“) Wir müssen, um zum Backstage zu kommen, eine ca. 70 cm breite Passage zwischen Bühne und Treppe meistern, was mit dem ganzen Krempel, den wir so schleppen, ein ziemliches Ärgernis ist. Die Amis von Love Hate Hero sind auch wieder am Start und schürzenjägern vor dem Club und im Foyer. Schminke und 80er-Mähne sind in Brasilien offenbar en vogue, wenn man sich die Fantrauben um die Band anschaut. Witzig, was hier so abgeht.

Die Show – No Lie minus Gitarrist, Longing For Tomorrow plus Gitarrist.

Nach flinkem Aufbau beginnt Lft`s kurzes, aber knackiges Set, und Samuel, Damian und David finden einigen Zuspruch beim Publikum. Alles läuft reibungslos und es wird gefeiert. Der einzige, der etwas nervös ist, bin ich, da ich heute zum ersten Mal bei „Elaine“ in die Saiten greifen darf. Mit zittrigen Händen drückt mir David grinsend seine Gitarre in die Hand, und wir fangen an. Bis auf ein, zwei kleine Haker komme ich erstaunlich gut durch den Song, und David hat freie Hand und leichtes Spiel mit dem Publikum. Ich hol mir noch kurz das Okay für die kommenden Shows bei Samuel und Damian, die mit mir ebenfalls zufrieden sind. Nach ein paar weiteren Bier heißt es jedoch schnell Abschied nehmen von der „Hammer Bar“, da wir gleich weiter nach Florianapolis, in den Süden Brasiliens müssen. Im Zuge dieses Höllenritts (es sollen 12 Std. werden) erhält der neue Fahrer, den wir für diesen Teil der Tour bekommen haben, den Namen „Nitro, The Holy Driver“. Der Typ verschmilzt auf molekularer Ebene in Bereich des Gesäßes und Rückens mit seinem jeweiligem Fahrzeug und erstreckt sein Nervengewebe ins Getriebe des Busses. Kommt uns jedenfalls so vor, als er mit gefühlten 300 km/h über die brasiliansche „Autobahn“ heizt und Schlaglöcher und Bodenwellen einfach ignoriert. Entsprechend macht außer Soup und den Brasis keiner von uns wirklich die Knöpfe zu. Aus dem Dämmerzustand zwischen plötzlicher Panik und völliger Übermüdung kommen wir erst im Stau – es ist plötzlich so ruhig – und David und Bato tanzen ein Ründchen auf dem Asphalt. Und wir wissen ja schon, dass Bato ein großartiges Tänzer ist… Dass des Fahrers Sinne tatsächlich mit seinem Gefährt verschmolzen sind merken wir, als er zwischen zwei LKW`s rückwärts durchsetzt, in einem grazilen, fließenden Schwung, und über den Seitenstreifen zur Nahegelegenen Raststätte fährt. Krass, der Nitro.

18.11.2009 /// Tag 7 uns gehen die coolen Überschriften aus

November 18, 2009

Heute pennen wir nicht wirklich aus, Soup und Rafael wollen zur „Rock Galeria“, einer riesigen Rock-Mall, wo´s vom Aufkleber bis zu authentischen Rockdevotionalien wie Gitarren und dergleichen so ziemlich alles gibt. Eigentlich habe ich daran kein Interesse, lasse mich aber trotzdem dazu überreden mitzufahren. Mit dem Auto geht’s zur Bahnhaltestelle und schnell sind wir im Zentrum von Sao Paulo. Soup rennt die ganze Zeit hin und her und sucht dies und das, mich nervt der Konsumtempel schon nach 10 Minuten, Samuel nach 30. Interessant wird’s für mich erst, als wir noch Drumsticks suchen und dazu auf die Musikmeile der Innenstadt gehen. Jede Menge Shops gibt es hier, aber irgendwie findet doch keiner, was er sucht. Die Straßen sind völlig voll mit Menschen, nicht gerade die vertrauenswürdigsten Gestalten, und entsprechend chaotisch und angespannt ist die Stimmung auf der Straße. Die Brasis nehmen uns zum Schutz in die Mitte, Rafael geht vorneweg, Bato und Bobby bilden die Nachhut.

Zurück mit der Bahn:

Nachdem wir in den engen geschäftstüchtigen Gassen von Sao Paulo nicht verloren gegangen sind, führt uns der Weg zurück zu Batos Studio erstmal wieder zum Bahnhof. Die am Schalter gekauften Tickets verschwinden erneut im Drehkreuzkasten und wir warten auf die nächste Bahn heimwärts. Diesmal warten wir jedoch nicht allein, sondern es tummeln sich immer mehr Menschen am Bahngleis. Der Zug fährt ein, und jetzt beginnt ein Gerangel, wie am ersten Schultag. Wir müssen und gut fest- und unsere Sachen beisammenhalten. Ich stehe Freihand zwischen schwitzenden Brasilianern und wehre mich, in dem ich auch anfange zu schwitzen. Das beeindruckt hier aber niemanden und wir vertreiben uns die Zeit mit Scherzen und Gegröle. Das blöde ist, dass bis zu unseren Station noch einige Zwischenhalte kommen, wo ich feststellen muss, dass einfach viel mehr Leute in die Bahn rein wollen, als aussteigen. Wir werden also ordentlich komprimiert, und ich werde das Gefühl nicht los, dass die Klimanalage protestiert und nun im Saunamodus weiter arbeitet. Ich habe ja schon viele warme Situationen erlebt, aber hier jetzt in der Bahn, stellt einen neuen Höhepunkt da. Ich bin eh nicht so der Saunatyp, aber wenn dann noch nicht mal ein guter Eukalyptusaufguss am Start ist, wird’s haarig. Ich schaffe es noch nicht mal zu filmen, denn an Gliedmaßen bewegen ist gar nicht zu denken. Die Fahrt endet dann nach ca. 30min Körperaneinanderreiben und ich empfinde die Luft in Sao Paulo das erste mal als erfrischend und wohltuend. Dass wir uns anschließend mit sieben Leuten in Bato´s Karre quetschen und ich im Kofferraum durchgeschüttelt werde, kommt mir als richtige Belohnung für die enge Bahnfahrt vor. (Samuel.)

Es gibt ein AZ in Sao Paulo.

So gut wie wir direkt nach dem Flug aussahen, dachten die Brasis garantiert, dass wir nur edle Clubs gewohnt sind. Rafael sagte wir gehen abends in ein altes Haus. Da wäre eine gute Fete. Dort angekommen entpuppte sich der Laden als ein von mir favorisiertes alternatives Zentrum. Einfach das was wir mögen. Grafitis an den Wänden, die Putzfrau kommt nur einmal im Monat und auf den Toiletten bot sich die gesammelte Notdurft der letzten 2 Wochen. Hinein ins Leben. Aufgrund meiner momentanen Verdauungssituation entschied ich mich Sao Paulos Unterwelt einen neuen Fürsten zu schicken. Ich wusste nun warum sich mir schon vorher ein tolles Bild an gesammelter Notdurft bot. Dieses Klo sah nicht nur fantastisch aus, es wollte partut nicht auf den Abzugsknopf hören. Als ich die Türe wieder öffnete blickte mich eine wartende Schlange erwartungsvoll an. Dem Ersten sagte ich „the last man before…uhhhh dirty shit“, er erwiederte mir ein „i don’t care“. So schnell ist man hier aus dem Schneider! Perfekt. Den Rest des Abends wurde von allem gebührend gefeiert. Nur Samuel entschied sich nach 2 Bier auf der Couch zu schlafen und wurde von Brasis immer freundlich berührt. Er entschied sich letztlich für einen Schlaf im Auto. Irgendwann war für uns aber auch der Spaß vorbei. Alles in allem viele Leute getroffen und gut mit Bato und Co gefeiert. (David)

17.11.2009 /// Tag 6 Nächster Tag: Chillen und Probe

November 17, 2009

Nach unserer Partynacht lassen wir es am darauf folgenden Tag langsam angehen. Wir schlafen uns ordentlich aus und alles bis auf David und ich fahren zu Rafaels Haus und lassen sich erneut bekochen, bringen unsere Wäsche vorbei und machen ein wenig Internetkram. Während David und ich den Tag mit Quatschen, Sandwiches und Burgern von gegenüber vorbeiziehen lassen, wird es schnell Abend. No Lie und der Rest von uns trudeln nacheinander beim Studio ein und es geht in Richtung Proberaumkomplex.

Rocken wie im Schlaf: Der Proberaumkomplex

Es sind frühestens 23 Uhr Ortszeit, als wir im Proberaum von No Lie ankommen. Wobei, zu sagen, dass hier No Lie`s Proberaumkoplex sei, ist eigentlich falsch. In Sao Paulo ist es wohl so, dass man sich als Band jede Probe neu einmietet, also keine festen Proberaum hat. Bis es mit der No Lie Probe endlich losgeht, vertreiben wir uns die Zeit bei geselligem Caipi-Trinken mit den Brasilianern. Anscheinend kennt hier jeder jeden, und so artet das ganze (mal wiedr) zu einer kleinen (Musiker-) Party aus. Im Foyer gibt’s Sofas und `ne Glotze, und ich mach`s mir hier bequem. Der Proberaum ist eingeteilt in den Hulk Room, den Batman Room und die Bude in der wir proben…stilecht im Homer Simpson Room. Kann ja nicht mehr lange dauern, bis Longing For Tomorrow proben können. Aber weit gefehlt, nicht in Brasilien. Um halb 2 morgens (geschätzt) beginnen No Lie ihre Probe, der Komplex ist bis 3 Uhr offen. Dementsprechend haben LFT und ich ungefähr eine halbe Stunde Zeit, „Elaine“ mit mir einzustudieren. Samuel hat offenbar auch gepennt, wir begegnen uns völlig verschlafen im Proberaum und stöpseln die Instrumente ein, während Damian sein Schlagzeug aufbaut. Zwar habe ich „Elaine“ schon etliche Male alleine relativ passabel durchgespielt, aber aufgeweckt zu werden und sofort Erlerntes umsetzen zu müssen, verursacht mir dann doch ein paar Startschwierigkeiten. Wir spielen den Song im besten Fall 5 mal durch, dann ist es 3 Uhr morgens und wir beladen die Autos um zurück ins Nest, das uns Bato`s Studio geworden ist, zu fahren.

16.11.2009 /// Wieder in Sao Paulo – Festmahl, Warten, Party

November 16, 2009

Wir schlafen ordentlich aus, der Tag beginnt sehr entspannt. Irgendwann kommt dann Bato und er stellt uns seinen Eltern vor, die ein paar Meter vom Studio entfernt wohnen. Gastfreundlich wie die Brasilianer sind gibt es erst mal einen „Aperitif“: Rindfleisch in Zwiebel-Gewürz-Sud mit Nachos und Knäckebrot. Was sich zunächst etwas seltsam anhört, entpuppt sich als extrem leckeres Essen, wir verputzen vollends was aufgetischt wird. Die anschließende Hausführung, vom Hausherrn persönlich durchgeführt, gibt einen kurzen Einblick in eine der glücklicheren Biographien, die in Brasilien möglich sind. Der Vater, passionierter Uhrensammler, ist Ingenieur für Autotechnik. Er hat unter anderem Ende der 80er in der Formel 1 für brasiliansche Topfahrer als Techniker gearbeitet und sogar ein eigenes Auto designt. Stolz zeigt er uns die Bilder und erklärt uns alles und soweit, wie es sein Englisch zulässt. Zum Abschluss stehen wir in der Garage und begutachten sein aktuelles Projekt, die Renovierung eines alten 1958er Opels.

Anschließend finden wir uns in Rafaels Haus wieder, seine Eltern haben für uns gekocht. Es gibt zu unserer Freude schon wieder Rindfleisch, Reis, Salat und kühle Getränke und wir stärken uns zum zweiten Mal innerhalb der letzten 2 Stunden. Im Anschluss erzählt uns die Mutter, deren Englisch von Minute zu Minute besser wird, wie das Familienleben in Brasilien im Normalfall so abläuft. Die Kids bleiben offenbar bis zur Heirat im Haus der Eltern wohnen, normal sind in der Mittelschicht wohl eher kleine Familien mit ein oder zwei Kindern. Wir geben im Gegenzug Auskunft über Geburtenraten, Fleischqualität in Deutschland und Hierarchiegefüge in deutschen Familien. Rafael`s Vater sitzt daneben und macht offenbar ein paar dreckige Witze, denn Rafael stimmt hier und da ins verschmitze Lachen seines Erzeugers ein und seine Mutter kann nur entrüstet den Kopf schütteln. Anschließend schwärmt sie vom Frauenurlaub, den sie mit ihren 4 Schwestern und der Mutter regelmäßig durchzieht, um sich von ihren beiden Männern etwas erholen zu können. So sind sie, die Brasilianer…

Nach einem sehr gechillten Tag machen wir uns langsam für die Party, den Club oder was auch immer, wo uns die Brasis hinschleppen wollen bereit. Die Wahl fällt auf den Club „D Edge“. Der Club ist mit dem Durchschnittsclub in Deutschland vergleichbar was das nur bedingt schickere Publikum angeht, in Sachen Aufmachung und Deko jedoch eher aufgemotzt. Die Lichtanlage besteht aus einem Equalizer, der direkt an der Wand zu sehen ist und die Tanzfläche in grünes, dem Rhythmus angepasstes Licht wirft. Hier trinken wir ein paar Caipi`s und Bier, bis es hell wird. Auf der Rückfahrt lässt es sich David nicht nehmen, dem Auto von Rafaels Mutter eine schicke, gelblich-grüne Lackierung zu verpassen.Während der Fahrt, mitten in Sao Paulo. Die riecht auch noch gut. O-Ton David: „Nie wieder Alkohol!“. Bato fährt sich quasi zeitgleich den rechten Vorderreifen kaputt. Schnell merken Soup, Bobby der Tourbegleiter und Damian, dass der Ersatzreifen keine Luft mehr hat.

„Bato am Steuer, Soup daneben, Bobby hinten links u ich befinden sich auf der Rückfahrt. Hab mich gegen das Fenster gelehnt u die Augen zu gemacht. BÄMM! Ein Schlagloch u der Reifen ist geplatzt! Bato am Steuer fährt einfach weiter. Wir sagen ihm er solle mal rechts ran fahren. Der Fahrtlärm ist immerhin Ohren betäubend. In einer Haltebucht auf dem innerstädtischen Highway bei richtig viel Verkehr beginnen wir mit dem Reifenwechsel. Plötzlich hält vor uns ein Auto: Rafael und der Rest der Truppe! Die könnten uns vielleicht helfen. Davids Kopf hängt verdächtig aus dem Fenster u dann muss er kotzten. Too much caipirinha. Samuel pennt vorne und kriegt davon nichts mit. Rafaels Auto düst einfach davon. Reifenwechseln: ‘Das kriegen die schon alleine hin’. Klar aber der Ersatzreifen vom Bato ist auch platt und in Rafaels Auto wäre bestimmt noch ein voller Ersatreifen! In germany have TÜV. Björn und ich fragen uns, warum die Brasis trotzdem den leeren Reifen draufziehen. Zwischendurch halten zwei Mopedcops, wobei die eher aussehen wie eine Art ADAC. Wirklich helfen tun die uns aber auch nicht, und so ziehen auch sie nach einer halben Stunde smalltalk wieder ab. Der Wagen rutscht 4 X vom Wagenheber. Bis den Brasis einfällt, dass man die Handbremse anziehen muss. Schließlich ist der Ersatzreifen drauf, der Wagenheber entfernt und – surprise, surprise – die Karre hängt wieder auf der Felge. Der Reifen ist ja auch ebenfalls platt. Bato und Soup machen sich auf den Weg zur Tankstelle, die hat aber zu. Dann zum Reifenhändler. In der Zwischenzeit bleibe ich mit Bobby an der Karre zurück, die mittlerweile schon wirklich einiges einstecken musste. Bato`s Vater baut Autos, Bato selbst schrottet sie.

Schon lange ist es draußen hell. Bobby u ich können uns untereinander leider nur schwer verständigen. Endlich kommen Soup und Bato wieder. Die Werkstatt macht erst in einer Stunde auf. Also warten! Es dauert noch ziemlich lange, bis dann ein geflickter Reifen auf der Achse hängt. Doch irgendwie packen die Schrauben nicht. Soup hat genug, schnappt sich Reifen und Schraubenschlüssel und das Ding ist im Handumdrehen fest. Quizfrage: Wieviele Brasis braucht man, um einen Reifen zu wechseln?!? Auf der Rückfahrt -endlich!- müssen wir Bato andauernd vor dem Sekundenschlaf retten. Mit 3 Stunden Verzögerung wecken Björn u Ich erstmal die anderen, einfach aus Spaß. Die muffeligen Reaktion sind herrlich. Wir gönnen uns noch einen Kokussaft. In Deutschland haben wir diesen Running Gag von Paul Panzer, wo er im Getränkemarkt Michels anruft und vergeblich versucht Kokussaft für seine Frau zu bestellen. Superlustig. Als wir hier im Supermarkt dann tatsächlich Kokussaft gesehen haben, mussten wir natürllich zu schlagen.“ (Damian)

15.11.2009 /// 4. Tag Der Morgen nach der Show

November 15, 2009

Die meisten von uns sind so gegen 5 Uhr morgens ins Bett gekommen und wir stehen um kurz vor 12 schon wieder auf. Kein Problem jedoch, da 6 Stunden Schlaf im Vergleich zu den Nächten davor der pure Luxus sind. Daniel AOK weckt uns mit einem fröhlichen „Heyyyyööööö“ und wir sitzen senkrecht im Bett. Geil, noch 10 Minuten gibt es Frühstück, bestehend aus Bananen, Wasser und ziemlich trockenen Brötchen. So gestärkt machen wir uns zum berühmten „Zuckerhut“ auf. Auf dem Weg dorthin das typische Rio: Verdammt heiß, schwül und riesig, aber dennoch schön anzusehen mit seinem vielen Tropengrün. Wir kommen in der Nähe des Zuckerhuts an und steigen für 44 Reais (ungefähr 19 Euro) in die erste von zwei Seilbahnen, die uns (Soup, David, Damian, Daniel und mich, den anderen ist`s zu teuer und sie gehen zum Strand) ganz nach oben bringen sollen. Schon nach den ersten paar Höhenmetern hat sich der hohe Eintrittspreis jedoch gelohnt. Eine fantastische Sicht über die Stadt tut sich vor uns auf, und wir drücken uns mal wieder die Nasen an der Scheibe platt. Wir sehen das Wahrzeichen der Stadt, den berühmten Jesus mit seinen offenen Armen, und Rio lässt sich zum ersten Mal in seiner ganzen Pracht bestaunen. Hier die Hochhausdistrike der Reichern unter den Brasilianern, dort ein Strand inklusive Segelhafen (der offenbar so dreckig ist, dass der anliegende Strand entsprechend ausgestorben ist), zwischen den Bergen eine riesige Favela, über die uns Daniel aufklärt. Mit diesem gewaltigen Panorama entlässt uns der Zuckerhut zurück in die Stadt und wir treten den Heimweg nach Sao Paulo an.

Die Rückfahrt

Wir quetschen uns also erneut in den Bus. Ausgeschlafen und mit tollen Eindrücken versehen, lässt sich das ganze jedoch wesentlich entspannter angehen als bei der Hinfahrt. Wieder geht’s an jeder Menge tropischer Vegetation vorbei. Irgendwann halten wir dann bei einem Burgerschuppen, und während wir unser spätes Mittagessen in uns reinstopfen, können wir durch das Fenster des Imbiss` tropische Wälder und Schmetterlinge sehen. Fehlen nur noch ein paar Affen die den Müll plündern, und wir würden uns tatsächlich fragen, ob wir träumen, so skurril ist die Szenerie für uns. Das sollte jedoch der letzte schöne Eindruck für die nächsten 8 Stunden sein, den bald geht die Sonne unter und wir fahren durch ein Gewitter mit Regenguss, das sich sehen lassen kann. Und natürlich stehen wir ca. 1 ½ Stunden im Stau, war ja nicht anders zu erwarten. Nach ungefähr 10 Stunden Fahrt sind wir endlich wieder in Bato`s Studio und hauen uns auf die Bretter. Geil war`s.

14.11.2009 /// Die 2. Show: Rio De Janeiro

November 14, 2009

Nach vielleicht 3 Stunden Schlaf (Damian und Samuel hatten vielleicht 30 Minuten) soll es nach Rio gehen. Der Bus ist für 8:00 Uhr bestellt, natürlich kommt er so gegen 10:00 hier an. Brasilian Style, they say. Der Clue: Es gibt Klimaanlage und Dvd-Player, und die Airco sollte sich im Laufe der Fahrt noch als unentbehrlich erweisen. Völlig gerädert steigen wir in den Bus. Wir sammeln NO LIE, unsere Tourgefährten hier in Brasilien, ein. Diego (Gitarre), Rafael Nr. 2 (Gesang), Milton (Bass) und Marcelo (Schlagzeug) stoßen zu uns und trotz Kater und Schlafmangel ist die Begrüßung auf beiden Seiten herzlich. Wir kurven noch ein wenig (1 1/2 Stunden?) durch Sao Paulo bis wir endlich offenes Land erreichen und die Landschaft mit jedem Kilometer schöner wird. Während die Brasilianer sich „Never Mess With Zohan“ reinziehen, kriegen David, Soup und ich die ersten zwei Stunden die Gesichter kaum von den Scheiben: Alles hier sieht für uns wie Dschungel aus, riesige Bäume, hin und wieder riesige Ameisenhügel (oder doch Termiten?!) auf saftigen Wiesen. Klar, alles Sekundärwald und im Normalfall mit Plantagen vollgestopft, aber für uns trotzdem aufregend. Fehlen nur die Affen auf den Bäumen. Aber die sitzen ja schon im Bus, haha (gähn…). Wir fahren gute 6 Stunden (nur eine Pinkelpause!), noch kurz durch einen ziemlich langen Tunnel und dann liegen die ersten Ausläufer Rio`s vor uns, genau so, wie man sich das als europäischer Spack eben so vorstellt. Favela neben Industriegebieten neben Wohneinheiten, alles von einem saftigen Grün durchzogen und von steilen Bergen flankiert.

Ankunft in Rio

Wir steigen in einem besseren Stadtteil aus dem Bus, gleich vor dem Haus des Veranstalters. Der nimmt uns gleich mit zum Essen, es gibt Reis Bohnen und – kaum zu glauben – FLEISCH! Ausgelaugt wie wir von der Hitze, der Fahrt und dem Schlafmangel sind, schlingen wir unser Essen in der Hoffnung auf Energiezufuhr hinunter. Rio ist wesentlich wärmer und feuchter als Sao Paulo was das Klima angeht. Ich habe noch nie eine derartige Hitze erlebt, und Soup schwitzt mal locker 5 T-Shirts durch. Die Stadt ist einfach total schön, viele Palmen zieren die Straßen und es herrscht eine sehr entspannte Stimmung. Im Gegenteil zu Sao Paulo ist Rio wesentlich ruhiger und wir genießen die Atmosphäre vor Ort. Wir überlegen kurz, stellen fest, dass es noch etliche Stunden bis zur Show zu überbrücken gilt und entscheiden uns, nach Ipanema Beach zu fahren. Die Richtige Entscheidung, wie sich herausstellen sollte. Wir werden zwar wie Außerirdische vom Kalkeimerplaneten von den gebräunten Einheimischen angeschaut, aber das ist uns in dem Moment völlig egal. Runter mit den Klamotten und rein ins warme Nass. Der Übergang von Luft zu Wasser ist praktisch keiner, die Temperatur ist nahezu gleich (Zitat Soup: Ich schwitze sogar während ich im Wasser bin). Wir planschen ein paar Runden in den Wellen, und Soup und Damian gönnen sich eine Kokusnuss.

Nach einigen Stunden soll es zurück gehen, doch wir rennen die Strandpromenade erst mal nen Kilometer in die falsche Richtung, weg vom Bus, der uns zum Club bringen soll. Naja, genießen wir eben nochmal den Blick auf den Sonnenuntergang hinter den Bergen, die den Strand beschatten. Wir finden den Bus, und es geht kurz zum Hostel. Klar, Soup wirft erst mal Guitar Hero in der Lounge an. Schnell noch alles gepackt, und ab geht’s zum Club „Cine Lapa“, einem ehemaligen Kino. Auf zwei Ebenen gibt’s hier Emo, Screamo usw.. Im Erdgeschoss spielen „LONG FOR TOMORROW“. Ja, richtig gelesen. So heißen LFT heute. Steht zumindest in der Ankündigung vom Club. Egal, die Show kann trotzdem was.

Die Show

50 Grad und ab auf die Bretter. Samuel zerläuft schon beim Stimmen. Der Banner macht einen Abgang. Zu viel Anstrengung. Die Show geht gut los. Habe es mit Ach und Krach geschafft mir einen dritten Kanal auf dem Amp einzustellen. Daher spielt die Musi sanfter. Nach Schweiß und Schwimmbad-Sami geht die brasilianische Härte wieder los. Niemals ist hier Stress. Einkaufen dauert an der Kasse pro Person 15 Minuten. Niemand beschwert sich. Nach der Show aber muss man am besten von der Bühne in den Van rennen, ohne auch nur irgendwas abzubauen, geschweige denn einen Schluck trinken zu können.Wer weiß warum. Die gehen einfach total ab. In den Bus. Der Fahrer weißt uns darauf hin, die Sitze bitte nicht nass zu machen. Ein klarer Daumen nach oben von Samuel, kein Problem! Das Schwimmbad darf aber nicht rollen, weil die Brasi Polente den Fahrer für das Parken im brasilianischen Todes-Halteverbots-Zone erwischt hat. Wir dürfen weiterleben und kriegen ein Ticket. (David)

13.11.2009 /// Tag 2 – Paulo wo ist Sao ?

November 13, 2009

Sao Paulo, die erste Show

Eigentlich wollten wir ausschlafen, letztendlich haben wir dann doch nur 4 Stunden Ruhe gefunden. Der Grund: Sao Paulo ist ein Moloch, es dröhnt und man will schnellstens vor die Tür, um nichts zu verpassen. Es folgen Tagesplanungen und die Installation der Dusche, die bisher nicht existierte. Schnell geduscht und dann erst mal auf die Brasis gewartet. Mit mehreren Autos ging es nun SCHON WIEDER (geil!) zum brasilianischen All-Meat-You-Can-Eat-Restaurant. Ein paar Reais hingeblättert, und das große Stopfen beginnt. In gut gelaunter Runde gibt’s wieder mal jede Menge Rindfleisch, Huhn usw. – you name it. Wir merken: Brasilien lässt in Sachen Essen keine Wünsche offen. Zurück zu Bato´s Studio, um zum ersten Mal das Equipment zu inspizieren. Ursprünglich sollte David mit einem Mesa Amp auftreten, für diesen fehlt jedoch der passende Footswitch und wir lernen, dass ein wenig Improvisationstalent in Brasilien nicht schaden kann. Nachdem sich unsere Abfahrt in Richtung Hangar 110 durch das Hin und Her mit dem Equipment verzögert hat, suchen wir uns mit 2 Autos einen Weg zum Club.

Im Hangar 110

Der Hangar entpuppt sich für uns Brasilienunerfahrene als extrem stylischer und gut organisierter Club. Die Bühne mitten im Raum, gut einsehbar und passabel ausgestattet. Ein Holländer hat hier die „künstlerische Leitung“. Ein paar Worte gewechselt und wir sind informiert, dass er den Schuppen im Grunde selbst und alleine gebaut hat. Also zumindest die Bühne. Netter, kompetenter Typ. Der Backstagebereich (wir haben einen eigenen) ist bereits mit einigen Bands bevölkert, u.a. mit FAI und ETNA. Erstere eine Metalcore-Combo, letztere extrem poppiger Kaugummipunkrock, der hier sehr abgefeiert wird. LOVEHATEHERO, auf die hier einige Leute warten, sind hingegen noch nicht eingetrudelt. In der Mitte des Programms gelegen, ist der LFT-Aufbau hektisch. Rafael und Bobby, zwei unserer brasilianischen Begleiter, unterstützen uns jedoch tatkräftig beim Aufbau und die Herren Altdorf, Frings und Dickmeis schaffen es pünktlich mit „Blickes Fang“ iher erste Brasilienshow zu starten.

Ein Blick von der Bühne:

Im Hangar ist die Bühne während des Umbaus mit einem Vorhang verhangen, so dass wir nicht sehen können wieviele Leute letztendlich vor der Bühne sind. Auf der andere Seite können die Brasilianer wenigstens auch nicht sehen, wie hektisch wir versuchen mit unserem geliehenen Equipment klar zu kommen. Irgendwann sind wir dann aber bereit; oder vielmehr irgendwann geht der Vorhang dann einfach auf. Wir fangen an unser Introgeplänkel zu spielen und ich versuche dem gespannt dreinblickenden Gesichtern meine gerade eben gelernten portugiesischen Sätze aufzusagen. Das scheint auch gut zu klappen, da alle lächeln und begeistert klatschen. Der Auftritt vergeht dann wie im Flug; Hitze und Stress interessieren mich in dem Moment nicht mehr, sondern nur noch den Leuten eine gute Show zu bieten. An den Reaktionen der Leute sehe ich, dass dies auch ganz gut klappt, und nach ca. 30 Min Set beenden wir unser Konzert unter lautem Jubel. Die Kids strecken ihre Hände aus, wollen uns berühren und Pleks bzw. Sticks von uns haben. Sowas habe ich bis dahin in der Form auch noch nicht erlebt. Ich verschenke schon fast meinen mitgebrachten Vorrat an Plektren um die neu gewonnenen Fans zufrieden zustellen. Der Vorhang wird geschlossen und David, Damian und ich schauen uns ent- und gleichzeitig begeistert an. (Samuel)

Back To The Backstage

Wieder im Backstage Bereich, wird erst mal ein ordentlicher Schluck Bier, Wasser oder was eben grade zur Hand ist, genommen. Und nicht nur von der Band. Wir feiern, dass die erste Show so hervorragend über die Bühne gegangen ist. In der gelösten Stimmung wird eine erste Bilanz gezogen und mit Zufriedenheit festgestellt: Datt läuft.Zeit zur Freude ist jedoch nur begrenzt vorhanden, da sich der Backstagebereich mittlerweile sehr gefüllt hat. Die Amis von LOVEHATEHERO sind inzwischen auch eingetrudelt und versuchen verzweifelt eine weitere Gitarre zu organisieren, da sie eine bei ihrem Flug von Mexiko verloren gegangen ist. David springt bereitwillig ein, der Gitarrist der Amis hat David´s Gitarre schon umhängen, doch Tourbegleiter Daniel von AOK mahnt zur Eile. Wir müssen noch Freunde von ihm aufgabeln, die offenbar in einem gefährlichen Stadtteil von Sao Paulo sind und dort so wenig Zeit wie möglich verbringen sollten. Dementsprechend müssen LOVEHATEHERO ohne David`s Gitarre klar kommen. Hektisch wird der Merch zusammengepackt, aber im ganzen Drunter und Drüber kriegen wir es trotzdem hin halbwegs zeitig aufzubrechen. Wieder einmal kriegen wir einiges vom Moloch Sao Paulo zu sehen, und gerade nachts wirkt die Stadt noch verstörender und extremer. Wir werden zu Bato´s Studio gefahren mit der Order, uns für die Party fertig zu machen. Party?

Hey was geht ab…

…wir feiern die halbe Nacht. Zwar merken wir die Müdigkeit, doch nachdem die von Rafael und Daniel geladenen Gäste abgeholt worden sind, geht’s ordentlich zur Sache. Neben Bier wird noch Pinga gesoffen, also Schnapps, der seine Wirkung nicht verfehlt (siehe die Bilder von David!). Die Party verläuft ausgelassen, aber sehr entspannt. Es wird viel geredet, und wir bauen die Sprachbarrieren langsam aber sicher ab. Da ich um 4 Uhr morgens völlig von der Rolle bin was die Müdigkeit angeht, überlasse ich es Soup, David, Samuel unsere Tour in Sachen Trinkfestigkeit würdig zu vertreten.

Außerdem scheine ich das ganze leckere Fleisch nicht so ganz vertragen zu haben. Dennoch falle ich zufrieden ins Bett, während die anderen noch ein paar Stündchen feiern.

Der nächste Morgen:

Also ich hab an dem Abend so ziemlich alles gegeben. Zuletzt hab ich nur noch mit Leonard und seinem Freund getrunken, die ziemlich auf Rammstein abfahren. Also haben wir immer dann getrunken, wenn der Name Rammstein gefallen ist…und das war ziemlich oft. Irgendwann war dann alles Bier und auch der Schnapps weg. Ich hab dann gesagt, dass ich mal kurz Pipi machen gehen, und mich dann einfach schnell pennen gelegt, weil es schon ziemlich hell war. Das nächste woran ich mich erinnere ist, dass Soup mich nach gefühlten 5min Schlaf geweckt hat und meinte, dass wir JETZT los müssten. Angeblich habe er das schon am Abend vorher angekündigt ( Anmerkung Soup: ja, aber nur ca. 8 mal), aber ich war überhaupt nicht vorbereitet. An diese Minuten kann ich mich nicht mehr so wirklich erinnern, nur, dass ich Soup (völlig zu Recht) ziemlich angemeckert habe, meine Sachen gepackt und dann ab in den Bus. Da hab ich dann einfach nur gepennt und bin erst bei der ersten Pinkelpause nach ca. 4 Stunden im Urwald aufgewacht. Die Party war super, aber die Nachwirkungen hart…und ich warte bis heute auf eine angemessene Entschuldigung von Soup, mich nach so kurzem Schlaf schon zu wecken. (Samuel)

Soup: Samuel es tut mir unglaublich leid dass Du nicht zuhören kannst :-)

Einen Tag drauf soll es also mit diesem schoenen Gefaehrt nach Rio gehen:

Der Bericht folgt.

12.11.2009 /// Tag 1 – der Wahnsinn beginnt

November 12, 2009

Abflug:

Nach gefühlten 30 Minuten Schlaf treffen wir uns alle am Flughafen Köln Bonn. Damian, David und Samuel haben zudem den Merch im Gepäck, und ob die Gitarren durch den Zoll kommen, ist bisher unklar. Schnell verteilen wir T-Shirts, Cds (ja, die Brasilienpressung hat nämlich NICHT rechtzeitig geklappt), Lps und was sonst noch dazu gehört auf unsere 10 Taschen. Kurz gezittert, ob die Gitarren als Handgepäck durchgehen und aufgeatmet. Nach kurzem Aufenthalt in der Flughafenlobby werden wir an Bord gelassen. Bis nach Amsterdam braucht unser Propellerflugzeug ca. 50 Minuten und es heißt wieder sitzen, warten, aus dem Arsch quatschen. Nice. Jetzt schon in der Tourmatsche. Nach ungefähr eineinhalb Stunden geht’s weiter und wir können das nächste Flugzeug betreten: Es geht nach Brasilien. Wer glaubt`s? Wir bisher noch nicht wirklich…

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Im Flugzeug oder: 15 Stunden Heineken, Harry Potter und Hosenschweiss

Endlich auf unseren Plätzen, endlich geht’s nach Südamerika. David, bisher völliger Flugneuling, schlägt sich wacker. Soup hat schnell das erste Heineken geordert – es sollten noch etliche folgen. Ziemlich aufgeregt, finden nur Samuel Schlaf. Keine 20 Minuten in der Luft, und Mr. Dickmais schläft, und schläft und schläft. Beneidenswert. Wir anderen vertreiben uns die Zeit mit Harry Potter, Tetris (Samuel vs. Soup: 5 – 2), den Simpsons. Das Entertainment Programm lässt eigentlich keine Wünsche offen. Nach den ersten 5 Stunden und 20 Heineken wird es trotzdem langsam ungemütlich. Arsch frisst Boxershorts, wir leckeres Chicken Curry. Viel hin- und herrutschen, Schlafversuche und Müdigkeit. Der erste, dem es nach Samuel gelingt ein paar Stunden Schlaf zu tanken, ist David. Pennt wie ein Baby, der Gute. Je näher wir Südamerika und Brasilien kommen, desto unruhiger wird es. Soup verlangt es nach Zigaretten, David nach Wasser, Cola, Wasser, mir nach Bewegung und Komfort (nur EINMAL richtig ausstrecken!). Samuel und Damian hingegen sind wie Hindu-Kühe: Total relaxt. Unter uns brechen endlich die Wolken auf und wir sehen: Dschungel. Abgefahren! Es ist nicht mehr weit.

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Ankunft:

Wir fliegen direkt über Sao Paulo, und merken schon jetzt: Anders, krass, aber geil. Palmen neben gigantischen Wohngebieten, ein leichter, gelber Smogfilm über den Dächern, Industriegebiete neben Wohngebieten. Und alles in einer Weise zusammengewürfelt, die dummen Mitteleuropäern wie uns völlig unverständlich erscheint. Wir steigen aus, kriegen die Münder fasst nicht mehr zu. Allein der Temperaturunterschied: Köln: 7 Grad, Sao Paulo: 25 Grad. Drückend. Die Frisur hält natürlich trotzdem, wir haben nach 15 Stunden und vollgestopften Flugzeugen nämlich keine mehr. Erstaunlicherweise sind wir ruckzuck durch Einwanderung und Zoll. Mit offenen Armen empfangen und Rafael, Bato und Daniel von AOK. Nach großem Hallo, Soups erster Kippe nach 20 Stunden und Geldwechselei stehen wir vor dem Flughafen und schon jetzt stürmt die Stadt auf uns ein: Krach, alles läuft durcheinander, jeder fährt wie er will und wir bewegen uns (wahrscheinlich) ins Stadtzentrum von Sao Paulo. Die Dimensionen hier muss man erleben, das lässt sich nur schwer beschreiben. Wir fahren ca. eine Stunde durch die Stadt bis wir nur in die Nähe von Rafaels Haus kommen. Vorbei an Zeltstädten und Elendsvierteln, flankiert von Mercedes Benz und BMW. Gleich um die Ecke stehen große Einkaufszentren, hier prallen die Gegensätze so ziemlich überall unmittelbar aufeinander. Nebenbei: Der Fluss erscheint uns wie eine post-apokalyptische Wüste, es stinkt förmlich zum Himmel. Selbst die Brasis halten den Atem an und erzählen von der grenzenlosen Umweltverschmutzung vor Ort. Wir kommen in Rafaels Haus an, seine Eltern stehen schon mit Schnapps und Handtüchern bereit. Soup und ich springen schnell unter die Dusche, und schon geht’s weiter zum gnadenlosen Fleischessen in der „Chorrascaria“. Kaum das Steak auf dem Teller dauert es keine 30 Sekunden bis ein freundlicher junger Mann mit dem nächsten Rinderteil auf einem riesigen Schwert neben dir steht und dich förmlich bedrängt noch etwas mehr zu nehmen. Alles in allem: ein absolut gigantisches, grandioses Essen mit tollen Leuten. Die Brasilianer wissen in jedem Fall wie man feiert, und sei es bei Tisch. Insbesondere „Bobby“, ein lustiger, durchgeknallter Brasilianer, unterhält uns mit seiner…nun ja…etwas lautstarken Art. Funny Guy!

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Spät Abends fahren wir in Bato`s Studio, das sich als halbfertige, jedoch extrem wohnliche Baustelle entpuppt. Es gibt Matratzen, Kissen, Ventilatoren, und obwohl wir eigentlich noch etwas feiern wollten, fallen zumindest Damian, Samuel und ich völlig erschöpft ins Bett. Soup, David und die Brasis hingegen machen sich auf zur nächsten Kneipe und trinken noch ein paar Bier.(Seppo)

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In der Bar:

Ab in den ersten Stock und die Lichter der Stadt über den Balkon genießen. Der Capi tut sein übriges. ¾ Alkohol trifft Limetten und Eis. Hier wird auf den deutschen 80 prozentigen Anteil Crush Eis gänzlich verzichtet. Nur ein Eiswürfel ziert mein Getränk. Grosses Kino. Wir unterhalten uns, trinken und genießen. Bei mir bleibt es bei einen Caipi. Schlaf klopft an die Tür und wir folgen eine Stunde später! (David)

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11.11.2009 /// Ein Tag vor der Tour

November 11, 2009

Hier ist er also, unser Tourblog zur Brasilien Tour 2009.

Der Tag startet mit einer Newsmeldung im Internet

Stromausfall stürzt Brasilien ins Chaos. Ein gigantischer Stromausfall hat weite Teile Brasiliens am Dienstagabend ins Chaos gestürzt. Etwa 40 Millionen Menschen saßen im Dunkeln, als kurz nach 21.00 Uhr Ortszeit der Strom in mindestens neun Bundesstaaten ausfiel. Betroffen waren nach Medienangaben etwa 800 Städte vor allem im Süden, Zentrum und Nordwesten des Landes, darunter auch die Metropolen Sao Paulo, Rio de Janeiro, Belo Horizonte und die Hauptstadt Brasilia, berichteten die Online-Ausgaben brasilianischer Zeitungen.“

Na geil..das fängt ja gut an :-) Naja besser jetzt als bei unserer Landung. Wir stecken noch alle in den Vorbereitungen und packen unsere Koffer. Heute Nacht geht es zum kölner Flughafen und dann über Amstardam nach Sao Paulo. Reisezeit: 15-16 Stunden. Wir freuen uns wie die Schneekönige. Wir werden versuchen den Blog hier so gut wie möglich zu aktualisieren, also schaut öfter mal rein.

Hier noch alle unsere Tourdaten:

Tourflyer


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