27.11.2009 /// Tag 16 Müssen wir links oder rechts?!?

Heute soll es wieder ein paar Kilometer aus Sao Paulo raus gehen. Das Problem ist jedoch, dass eigentlich ein Van zur Verfügung stehen sollte und wir jetzt mit drei Autos fahren müssen. Warum der Van nicht am Start ist, kann irgendwie niemand so recht nachvollziehen, ist aber auch egal jetzt, er ist eben nicht da. Also werden die Karren völlig überladen und wir quetschen uns mit sechs Mitfahrern in einen Kombi plus Backlineelementen. Geil. Und so schön warm. Soup bezieht vorne neben Bato seinen Tron und rechtfertigt das gekonnt mit seinem Körpervolumen.. King Curry nennt David das. Am Ende diesen Tages und am Anfang des nächsten spielt aber selbst der Komfort der ersten Sitzplatzreihe keine Rolle mehr. Aber dazu gleich mehr…

Wir gurken ungefähr 2 Stunden durch die Rush-Hour von Sao Paulo und seinem Umland, bis wir endlich am Club ankommen. Wir sind geschlagene zwei Stunden zu spät, und wieder einmal sind wir die, die eigentlich zur Abfahrt bereit waren. Der Club heißt ironischerweise “Hall Bar”, ist aber so groß wie ein Wg-Zimmer in Köln-Kalk.

Rein rechnerisch bleibt noch eine Stunde für drei Bands, da neben No Lie und uns noch SUBWAY aus Florianapolis mit dabei sind. Es wird disponiert, und nur No Lie und LFT werden heute spielen, SUBWAY werden auf morgen, auf das Skateparkfestival vertröstet. Beim Aufbau wird sich natürlich trotzdem Zeit gelassen, die tropiscche Gelassenheit hat uns alle fest im Griff. No Lie spielen ein ordentliches Set, zwar nicht allzu lang, aber mit Power. Die Leute gehen hier eher weniger mit als in den anderen Orten, zumindest bei No Lie an diesem Abend.

Nach einem weiteren Umbau stehen Lft auf der Bühne und haben noch ganze 15 Minuten, um ihr Set zu spielen. Die Leute sind neugierig und folgen allen Klatschaufforderungen von Samuel. Und auch seinen Bühnensprüchen. David tut mehrfach kund, wie sehr im die kleine aber feine Location gefällt. Es schlägt 22 Uhr, und eigentlich sollte das Konzert jetzt vorbei sein. Nicht aber in Brasilien. Der Veranstalter schließt das Gatter vor dem Club und die Show wird kurzerhand zur Privatparty umdeklariert. LFT können also ihr ganzes Set spielen und die Leute nehmen es dankbar an. Als ich dann “Elaine” spielen darf, finde ich mich sogar in einem richtigen Moshpit wieder, was meine durch die Fahrt angeschlagene Stimmung wieder deutlich hebt.

Höllenritt Nr. 2 oder wie wir fast ganz Sao Paulo mit dem Auto erkundeten

Wir packen ein und quetschen uns wieder mit 6 Leuten in Bato`s Karre. Milton fährt mit Rafael vor, Samuel sitzt mit SUBWAY in einem Auto. Es dauert ungefähr 30 Minuten, da hat Bato den Rest der Kolonne verloren, bzw. der Rest der Kolonne uns, denn sie wissen, dass Bato nicht der best orientierteste Fahrer in Sao Paulo und Umland ist. Wir fahren und fahren, und auch ohne dass irgendwer was sagt wissen wir, dass wir uns heillos verfahren haben. Soup zieht ein Gesicht wie wir es schon lange nichgt mehr gesehen haben, King Curry ist völlig abgefuckt und spielt mit dem Gedanken, Bato den Führerschein zu entziehen. Unser emotionaler Gau findet beim vorbeifahren am internationalen Flughafen statt, wir sind am falschen Ende von Sao Paulo. David und ich spüren unsere Ärsche nicht mehr, mein Bein kämpft mit einem mittelschweren Krampf und Bato`s Haltung am steuer hat was badezimmer- und sanitäranlagenmäßiges. Zum Glück ist Photographin Mel am start, zwischen uns eingequetscht. Sie überneimmt die Initiative und fragt sich an mehreren Tankstellen in die richtigen Gefilde. Unser Weg führt uns u.a. Durch Zentrum von Sao Paulo. Zu dieser Zeit ein Blick in mehr als nur einen menschlichenlichen Abgrund und unglückliche menschliche Schicksale. Wir fahren an Papphütten, Müllsäcken und Zugkarren vorbei, alles Notunterkünfte. Auf der Straße wird gerannt, gestikuliert. Wir sehen viele, denen es offenbar nicht nur in physischer und materieller Hinsicht nicht gut geht. Uns wird bei diesem Anblick sehr anders und wir sind froh, als wir nach 5 Stunden Fahrt endlich auf dem richtigen Weg sind. Wir kommen sicher an Bato`s Studio an und Samuel, die arme Socke, hat sich vorm Studio schon häuslich eingerichtet. Denn wir hatten den Studioschlüssel. Zum Glück waren ein paar befreundete Brasis so nett, mit ihm zu warten, sogar Marcello, der morgens früh wieder an die Arbeit muss. Aber so sind sie, unsere Brasis: Vielleicht nicht immer top organisiert, aber durch und durch solidarisch und herzlich. Glaubt uns, so schnell waren wir schon lange nicht mehr im Bett.

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