29.11.2009 /// Skatepark Teil II + Osasco

Sonntag – der letzte Tag der Tour. Und es soll der Stressigste und auch Schönste zugleich werden. Aber davon weiß ich noch nichts, als ich morgens (ca. 14h) aufstehe, unter die Dusche springe und mein – mittlerweile – tägliches Sonnenbad genieße. Auf einmal steht Bato auf der Matte und faselt etwas von “direkt losfahren”, heute hatte er uns also wirklich beim schlafen ertappt. Aber hey, hätte er uns nicht früher wecken können ? :-) .
Ich gehe die Anderen wecken und bemerke, dass Soup garnicht da ist. Bato berichtet mir, dass Soup schon früh aufgestanden ist und mit Rafael angeblich schon im Skatepark sein soll. Der Clou: Papa Soup hat sein Handy vergessen, wir können ihn also nicht mal anrufen und erfragen, ob das Festival wegen unserer Unpünktlichkeit zu scheitern droht. Ach stimmt, so wichtig sind wir ja gar nicht. Kann man in Brasilien aber schon mal vergessen. Schlussendlich sind wir dann mal wieder ein paar Stunden zu spät. Macht aber nichts, wir machen uns also alle fertig und sitzen wenig später im Bat(o)mobil. Wie immer springt die Alkoholschleuder (ja in Brasilien tankt man noch Alkohol) erst beim dritten Mal an.
Am Skatepark angekommen geht es direkt so los, wie es am Samstag aufgehört hat. Wir machen uns im Backstage breit und werden aber schon bald von den Leuten – die offenbar auch gestern schon da waren – erkannt und angesprochen. David und ich wollen nurmal kurz auf Toilette und etwas kaufen und schaffen es erst etwa eine Stunde später wieder hinter die Bühne, weil wir die ganze Zeit mit Leuten reden und/oder Fotos machen. Im Backstage treffen wir wieder viele Bands, mit denen wir schon gespielt haben, oder die wir auf unseren Konzerten schon kennengelernt haben. Jeder kennt Jeden und es gibt viel zu lachen. Mir persönlich bereit an dem Tag noch Bauchschmerzen, weil wir zwei shows am selben Tag haben werden. In Deutschland haben wir soetwas ja öfters schon gemacht, deswegen weiß ich, dass es manchmal viel Organisation erfordert, um alles unter einen Hut zu kriegen. Das traue ich Rafael nicht so ganz zu, und seine Sätze zu dem Thema fingen die letzten Tage immer mit “I think…” oder “I don´t know, but…” an. Er ist da ganz relaxed und verschiebt unsere Spielzeit immer wieder nach hinten, obwohl ich das Gefühl nicht los werde, dass wir gar nicht soviel Spielraum haben um nach Osasco zu kommen, was nach meinem Gefühl etwa 2 Std. entfernt liegen dürfte. NO LIE und INDEX (Bato´s Band) legen eine ordentliche show hin. bato hinterm Schlagzeug zu sehen lässt unsere Herzen auf jeden Fall ganz schön hüpfen. Wir haben in den zwei Wochen einiges mit ihm durchgemacht und ich glaube jeder von uns würde ihn am liebsten sofort adoptieren.
Nach den shows spielen noch zwei Bands, bevor wir dann an der Reihe sind. Diesmal warten auch wieder einige Leute vor der Bühne und jubeln schon, als wir noch unsere Instrumente einstöpseln. Der Bassamp ist immernoch kaputt, also gehe ich direkt in die DI-Box und habe nur meine Monitorbox. Etwas komich, aber konnt ich mich dran gewöhnen…noch weniger zum einstellen. Der Gig wird richtig, richtig gut, denn die Leute gehen ab, machen mit und zeigen uns, dass sie offensichtlich Bock auf die Musik haben. Zwischenzeitlich tauchen im “Moshpit” Boxhandschuhe auf. Ich bin zunächst irritiert, weil ich die Situation nicht richtig einschätzen kann, denn es sieht so aus, als ob dort ein kleiner Kampf während unseres Konzertes statt findet, denn die Brasilianer sehen dabei ziemlich ernst aus. Nach dem Song ergreife ich die Gelegenheit um nachzufragen, was es damit auf sich hat, aber die Leute versuchen wir klarzumachen, dass es nur Spaß ist, und die beiden “Kämpfer” umarmen sich vor meinen Augen, um dann auf den nächsten Song und die nächste “Runde” zu warten. Etwas seltsam, aber akzeptiert!
Nachdem die verrückte Menge mal wieder eine Menschenpyramide zum Ende unseres Sets aufbauen, spielen wir noch “Elaine” mit Seppo an der Gitarre und David tobt sich in und mit der Menge nochmal richtig aus.
Danach heißt es dann wieder runter von der Bühne, Sachen verstauen und direkt ab zum Merch-Stand, wo wieder superviele Leute darauf warten Fotos mit uns zu machen, Autogramme zu bekommen oder einfach nur mal gedrückt werden möchten. Rafael macht derzeit im Hintergrund Stress und bittet uns so schnell wie möglich einzupacken, damit wir loskönnen. Ich bin derweil mit den Leuten beschäftigt und bekomme nur aus den Augenwinkeln mit, dass es offensichtlich Stress gibt, denn Soup redet ziemlich deutlich mit Rafael.
Die Situation ist folgende: Der Veranstalter von Osasco ruft dauernd bei Rafael an, wo wir denn bleiben, aber Bato ist nicht auffindbar und Rafael hat nur ein Auto, um uns (5 Personen) + Equipment dorthinzufahren. Wir haben ja alle von nix einen Plan und können nur abwarten. Rafael telefoniert, um noch ein Auto klar zu machen, aber alle Versuche scheinen zu scheitern. Wir packen so schnell es geht unsere Sachen ein und sind abfahrbereit, aber nichts passiert. Rafael ist sauer auf Bato, der wohl gerade noch einen anderen Gig spielt, und Soup ist sauer auf Rafael, der die Organisation nicht so ganz im Griff hat. Das Ende vom Lied ist leider, dass Soup im Skatepark bleiben muss, wir uns alle ins Auto quetschen und losfahren. Soup beruhigte sich aber schnell wieder wie ich hörte und ist erst mal zur Tankstelle. Leider gibt es von Osasco nur Videomaterial, welches Euch zu gegebener Zeit auch in irgendeiner Form mal präsentiert wird. …haben ne ganze Menge Videomaterial ;-) Mehr dazu bald. Da es keine Fotos gibt, kommt hier noch mal das Bild von der Eule. Iss sie nich süüüüsss ?
Die Fahrt nach Osasco geht relativ flott (ich tippe so etwas mehr als eine Stunde), aber auch hier bleibt das übliche “nach dem Weg fragen” nicht aus, und so fahren wir einmal im Kreis, um uns bis zum Club durchzufragen. Im Club selber ist schon gut was los. Wir sind noch nicht wirklich angekommen, da müssen wir schon auf die Bühne. Der letzte gig der Tour ist wieder mit LoveHateHero, die im Backstage mittlerweile eine beachtliche Anzahl an Groupies haben. Der Veranstalter drängt uns direkt auf die Bühne und wir versuchen irgendwie Herr der Lage zu werden.Das heisst Damian muss sich Ständer und Hocker leihen. Er sagt: Ich brauch einen Hocker!  Und die Brasis vor Ort stellen ihm einen weissen Gartenstuhl auf die Bühne! Guckst Du! Den musste er aber dann doch nicht benutzen und nach einer halben Stunde hatte er dann genug Material für ein komplettes Drumset zusammen. . (Anmerkung Damian: Vielen Dank nochmal an den jungen Brasilianer, der mir die Show über als Drumtech geholfen hat! Ich weiss leider seinen Namen nicht mehr. Ich hätte wohl keinen einzigen Song am Stück spielen können wenn er mir nicht sämtliche Ständer und trommeln während des Spiels festgehalten hätte! Muito obrigado!) Der Gitarrenamp macht ganz merkwürdige Geräusche und David fragt flehend, ob nicht noch ein anderes Model zur Verfügung steht, was dann glücklicherweise auch der Fall ist. Sound fett, David glücklich.

Ich gebe mich – wie immer – mit dem zufrieden was da steht, wobei ich auch einfach einstöpsel…Bass anschlage…Ton kommt…gut ist. In den ersten Reihen warten diesmal auch schon einige Leute. Der Unterschied zu sonst ist nur, dass dieses Publikum unsere Namen kennt und diese auch ruft. Das verwirrt mich dann schon, aber vor der Show ist die Stimmung schon super. Ich versuche mit David zusammen die Stimmung oben zu halten, da Damian immernoch mit dem Schlagzeugequipment zu kämpfen hat. Als wir dann endlich anfangen können ist mir ab dem ersten Song klar, dass das einer der besten gigs der Tour wird. Vielleicht auch deshalb, weil es vorerst der letzte ist und wir wirklich Alles geben. Auch Seppo, der uns am Schluss wieder bei “Elaine” zur Seite steht, gibt richtig Gas und scheißt endlich mal auf ein “perfektes Spiel”, was er sonst immer anstrebt. Nach unserem Konzert versuchen wir durch die Mädelmenge von LoveHateHero in den Backstageraum zu kommen und trinken erstmal gemeinsam ein Bierchen. Das war glaube ich der erste gig, wo wir auf der Bühne eiskaltes Bier bekommen haben; und wer mich kennt, weiß, dass ich diese nach dem Auftritt natürlich direkt eingesagt und gebunkert hab. Mit frischen Shirts geht es dann zum Merch-Stand, wo wir wieder viele nette Leute treffen und uns gut amüsieren. Aber irgendwann müssen wir dann wieder los, denn Rafael will nach Hause. Mitten im Set von LoveHateHero, brechen wir dann auf und fahren zurück in Bato´s Studio. Dort treffen wir auf einen “stocknüchternen” Soup, der sich die Zeit ohne uns offensichtlich ganz nett gemacht hat. Zumindest sind einige Leute da und Soup sitzt mit feuchten Augen in einem von Batos Gartenstühlen. Ich höre ihn noch “ich glaube auch dieser Stuhl machts nicht mehr lang!” sagen und schon fliegen die Hinterbeine zur Seite weg und Soup sitzt lachend auf dem Terassenboden. Wir haben in den Wochen ca. fünf Stühle kaputt gemacht, wobei meine Theorie ja die ist, dass die Stühle dauernd in der Sonne stehen und dadurch auch leichter verformbar sind. Auf jeden Fall haben wir auf diesen Teilen vergeblich nach der TÜV-Plakette gesucht.

Dieser Abend geht auf jeden Fall für mich sehr früh zu Ende, weil ich nach dem Tag einfach platt war.
(Samuel)
Die Anderen machten noch viele Faxen, erotische Fotoshootings und eine nette Abschiedsparty die erst in den frühen Morgenstunden endete.

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